SAGEN.at >> Traditionelle Sagen >> Österreich >> Tirol >> Innsbruck

   
 

Ausaperungsfiguren

Wenn es im Spätfrühling im Tale schon grün wird und bereits die Blumen erwacht sind, wird auch auf den Höhen der Schnee durch den Südwind zurückgedrängt, über Nacht entstehen ganz eigenartige Gebilde an der Nordkette. Der aufmerksame Beobachter wird bald die eine oder andere Gestalt herausfinden, z. B. sieht man ober Mühlau den bekannten Falkenjäger.

Am 14. Mai des vergangenen Jahres konnte man unter dem Frau-Hitt-Sattel als letzten Rest des Schnees einen weißen Vogel sehen.

Als dunkle Flecke unter den Sattelspitzen eine Frau mit einem Kind am Arm, einen Mann, eine schreitende Frau.

Gegen den Graben unter den Sattelspitzen eine herabsehende Frauenfigur und einen Mann. (Vgl. die Abbildungen I-V)

Ausaperungsfiguren, Franz Burger
Ausaperungsfiguren
Holzschnitt von Prof. Franz Burger
Tiroler Heimatblätter, 1936, Heft 2, S. 110

 

In der Brandjochreise einen Mann mit erhobener Hand (X).

Am Achselkopf einen Mann mit einem Schirm und eine Frau (VIII und IX).

Am Solstein einen bärtigen Mann mit Turban, ein sitzendes Mädchen (VI und VII).

Während z. B. der Falkenjäger ober Mühlau alle Jahre an der gleichen Stelle erscheint, sind die vorerwähnten Figuren dem Beobachter erst im letzten Jahre aufgefallen. Ob auch diese sich wiederholen, muß sich zeigen. Sicher ist, daß man derartige Gebilde noch an manchen Stellen beobachten könnte. An Abwechslung ist jedenfalls kein Mangel, und es werden sich vom Beobachter an der Nordkette je nach den Schneeverhältnissen und den Unterlagen noch viele solche Gebilde entdecken lassen. In Bezug auf Größe ist ein ganz wesentlicher Unterschied, auch betreff der Dauer der Erscheinung. In bezug auf die Größenverhältnisse ist auf beigefügter Tafel Bedacht genommen.

(Man vergleiche den Aufsatz von Rudolf Sinwel in Heft 8/9 des 1. Jahrganges der "Tiroler Heimatblätter". Ferner: 1923/24, Heft 10, Seite 3; Heft 11, Seite 3; Heft 12, Seite 3. 1924, Heft 6, Seite 3; 1925, Heft 3, Seite 8; Heft 4/5, Seite 14.)

Quelle: Tiroler Heimatblätter, Franz Burger, 1936, Heft 2, S. 111