SAGEN.at >> Traditionelle Sagen >> Österreich >> Tirol >> Imst

   
 

DES VOGELHÄNDLERS HEIMWEH

Es war in der Vogelhändlerzeit. Ein Imster tappte mit seiner Vogeltrage durch die Straßen und Plätze Konstantinopels, suchte der Reihe nach die Schenken auf, um das so arg quälende Heimweh zu ersäufen. Eine alte Bettel machte sich an ihn heran, schröpfte erst seine Geldtasche nicht wenig, um ihn dann nach der Ursache seines Herzeleids zu fragen.

Imster Vogelhändler

Imster Vogelhändler
Stahlstich, Morscher privat


"Daheim sein möcht ich, denn morgen ist Frauentag - Imster Kirchweih - und den mitfeiern zu können, wär mein einzigster Wunsch."

Die Vogelhändlergasse in Imst © Wolfgang Morscher
Die Vogelhändlergasse in Imst, Tirol (Gurgltal)
sie verläuft unmittelbar oberhalb der Pfarrkirche "Mariae Himmelfahrt"
© Wolfgang Morscher, 27. Februar 2005

"Den ich dir erfülle!" behauptete die Greisin. Danach bestrich sie seine Hände und Füße mit einer "Schmier", worauf ihm Hören und Sehen verging. Wohl eine Art Hexensalbe mußte das gewesen sein, weil sie das Wunder bewirkte. Tags darauf, die Glocken der Imster Pfarr läuteten gerade zum Hochamt, lag der "Hoamrearer" leibhaftig beim "Engere-Weiher" 1) drüben und erwachte voll freudigen Staunens. Kraxe und Geldtasche fand er unweit seines Lagerplatzes; letztere bis auf den letzten Groschen geleert - was ihn freilich weniger freute.

1) Unterer Engere-Weiher - Schwimmbad
Oberer Enger-Weiher - Glenthof dienten als Bewässerungsspeicher


Quelle: Imster Geisterbrevier, Hermann J. Spiehs, Imst 1936, Seite 32