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Die Kälberzähnlein

Im Walde oberhalb des Dörfleins Kreit im Wippthal spielte einmal das Kind eines Bauern. Es hatte sich hiezu ein sonniges Plätzchen ausgesucht und steckte bunte Walsblumen in das Moos, so daß das ganze wie ein Gärtchen aussah. Plötzlich gewahrte es viele blühweiße Kälberzähnlein vor sich auf dem Boden und steckte soviel davon ein, als in seinem Säcklein Platz hatten. Unterdessen war es bereits spät geworden und man setzte sich zu Hause zum Mittagessen. Da bemerkte man erst die Abwesenheit des Kindes und fieng an, um dasselbe besorgt zu werden. Doch alsbald hüpfte es voller Freude daher und rief jubelnd. "Ibin an an Gart'l g'wes'n; i hun Zahnlen fund'n!" Darauf zog es seine Fund hervor, aber siehe da! Jetzt hatte es lauter Goldstücke im Händchen. Auf's höchste erstaunt fragten die Eltern, wo es denn diese herhabe und das Kind entgegnete: "Kämmt's nu. I kun enk des Platzl glei zoag'n!" Nun gieng der Bauer sofort mit dem Kinde in den Wald und fand wirklich noch das Gärtchen, das es sich gemacht hatte, aber die "Zahnlen" waren verschwunden.

Quelle: Sagen aus Innsbruck's Umgebung, mit besonderer Berücksichtigung des Zillerthales. Gesammelt und herausgegeben von Adolf Ferdinand Dörler, Innsbruck 1895, Nr. 38.