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DIE "WILDEN" FRAIELEN

Am Kreitiger Berg im Wippthale hielten sich vor alter Zeit wilde Fräulein auf. Heutzutage sieht man noch deutlich auf einem Steine im Walde, unweit von Kreit, ihre Fußspuren. Auch diese Wesen hatten vor dem wilden Manne "koan Plotz", denn er stellte ihnen überall als erbitterter Gegner nach.

Am Kreither Berg, Wipptal, © Wolfgang Morscher
Am Kreither Berg, Hohlweg
© Wolfgang Morscher, 17. Juni 2001

Einst verfolgte er zwei von ihnen bis zu den Häuseren von Kreit. Es gelang jedoch den beiden, sich in einen Backofen zu verstecken, und eine Dirne, die gerade an einem nahen Brunnen beschäftigt war und die Noth der wilden Fräulein sah, stellte sich vor die Öffnung des Ofens, damit der wilde Mann sieselbigen nicht gewahre. Als er nun im nächsten Augenblick daher rannte und schrie: "Wohin, wohin?" rief ihm die Dirne zu: "Vir o!" Jetzt stürmte er vorbei, den Weg hinunter. Nachdem die Gefahr glücklich vorübergegangen war, kamen die wilden Fräulein aus ihrem Verstecke hervor, dankten der Dirne für ihre Rettung und gaben ihr einen Zwirnknäuel mit der Mahnung, den Anfang desselben nie "Drumm", sondern immer "Dart" zu nennen; dann gehe ihr der Faden niemals aus.

Quelle: Sagen aus Innsbruck's Umgebung, mit besonderer Berücksichtigung des Zillerthales. Gesammelt und herausgegeben von Adolf Ferdinand Dörler, Innsbruck 1895, Nr 6, Seite 4f.