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DIE "WILDE" ALS MAGD

Eine sehr bekannte Gestalt in den Tiroler Sagen ist die "Fangg" oder "Wilde". Eine solche verdingte sich einst bei einem Bauern als Magd. Mehrere Jahre hindurch diente sie treu und redlich, und es war eine Freude, ihr zuzusehen, wie flink ihr jede Arbeit von der Hand gieng. Ihren Namen verrieth sie aber keinem Menschen, gieng auch nie zum Gottesdienst und betete überhaupt nicht. Einmal trieb nun ihr Dienstgeber seine zwei Ochsen auf den Markt nach einem entfernten Dorfe, konnte aber nur den einen verkaufen. Als er mit dem anderen, das Joch auf der Schulter tragend, wieder heimkehrte, rief, wie er einen Wald passierte, eine laute Stimme hinter ihm: "Ochsentreibar, Jochtrogar, sog d'r Rauchrind'n, d' Stanzi Manzi ist hin!" Er wandte sich um und sah gerade noch einen furchtbaren Riesen im Waldesdunkel verschwinden. Der Bauer hatte sein Lebtag nichts von einer Rauchrinden oder Stanzi Manzi gehört und erzählte zu Hause beim Mittagessen ahnungslos, was ihm der Riese zu sagen aufgetragen hatte. Da lachte die Magd laut auf, eilte in ihre Kammer, packte dort schnell ihre wenigen Habseligkeiten zusammen in ein Bündel und lief zur Hausthüre hinaus, jenem Walde zu. Vergebens hatte man versucht, sie zurückzuhalten. Da rief ihr der Bauer nach, sie solle ihm doch wenigstens noch sagen, wie sie es zuwege gebracht habe, so schmackhaftes Brot zu backen.

Die Antwort lautete:


"Braun boch'n,
Wohlg'schmoch'n.
Woacher Toag,
guats Broat."


(Arzl).

Quelle: Sagen aus Innsbruck's Umgebung, mit besonderer Berücksichtigung des Zillerthales. Gesammelt und herausgegeben von Adolf Ferdinand Dörler, Innsbruck 1895, Nr 11, Seite 8f.