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DIE MEERFRÄULEIN

Zwischen Grinzens und Kematen erhebt sich hart am Zusammenfluss der Bäche aus dem Sellrain- und Sendersthale der Spucherschrofen. Hier wurden früher nicht selten wunderliebliche Meerfräulein gesehen. Wie Lilien und Rosen war ihr Angesicht und ihre Augen blitzten wie Sterne. Blendend weiß waren Brust und Arme, doch statt der Beine hatten sie einen schimmernden Schweif, mit Schuppen und Flossen, wie die Fische. So oft sie sich zeigten, konnte man auf schlechtes Wetter rechnen. Manchmal hörte man sie auch bezaubernde Melodien singen. Von ihrer Heimat dem Meere hatten sie zu vielen Seen und Bächen unterirdische Zugänge.


Ein kleines Meerfräulein mit Füllhorn
Künstler Helmut Millonig, Botanischer Garten Innsbruck
© Berit Mrugalska, 16. April 2004


Quelle: Sagen aus Innsbruck's Umgebung, mit besonderer Berücksichtigung des Zillerthales. Gesammelt und herausgegeben von Adolf Ferdinand Dörler, Innsbruck 1895, Nr 7, Seite 5f.