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DIE HEXEN IN DER HÖTTINGERGASSE

Höttinger Gasse, Hötting, Innsbruck © Berit Mrugalska

Höttinger Gasse bei Nacht, Innsbruck
© Berit Mrugalska, Februar 2004

Einst wollte ein Bauer aus Hötting mit einem Nachtzuge auf den Sterzinger Markt fahren. Als er durch die Höttingergasse der Innbrücke zuschritt, kamen ihm zwei ganz kleine "Netschlen" (Weiblein), jede mit einem grünen Regenschirm unter dem Arm, entgegen und fragten ihn: "Mannezl, megt's nit mit ins gien ?" Da der Bauer sofort erkannte, daß die beiden Hexen waren, schwang er, im Bewußtsein, sich vor seinem Weggehen noch wohl besegnet zu haben, seinen Stecken drohend gegen sie und rief: "Schaut's daßt's weiter kemmt's, es L.....!" Darauf gieng er seines Weges, ohne die Hexen weiter zu beachten.

Strassenschild Höttinger Gasse, Innsbruck © Berit Mrugalska

Höttinger Gasse, Strassenschild, Innsbruck
© Berit Mrugalska, Februar 2004

Im Eisenbahncoupé traf er einige Bekannte und dies war sein Glück; denn in Sterzing angekommen, wußte er absolut nicht mehr, gehe er dem Städchen zu oder in entgegengesetzter Richtung und mußte nur immer blindlings hinter ihnen hergehen. Auf dem Markte konnte er natürlich in diesem verwirrten Zustande nichts machen. Mitleidig führten ihn deshalb seine Freunde auf den Bahnhof zurück, und der Bauer war herzlich froh, als er wieder in Innsbruck anlangte. Nach Hause aber fand er erst nach hundert Umwegen.


Quelle: Sagen aus Innsbruck's Umgebung, mit besonderer Berücksichtigung des Zillerthales. Gesammelt und herausgegeben von Adolf Ferdinand Dörler, Innsbruck 1895, Seite 110