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Das Männlein auf der Stegnerbrücke An einem Sonnwendtag in alter Zeit stand auf der Stegner Brücke in Hopfgarten ein katzgraues Männlein. Ging eine Weibsperson über die Brücke, so sagte das Männlein: "Weibl, Weibl, wohin so gneatig, bist in dein Grenn (Lauferei) nit bald fertig?" Überschritt ein Mann die Brücke, dann sagte es: "Mannaleut wohin? Zu einer Frau im Hopfgartner Marktl?" Gegen Mittag schritt ein Penningberger Bauer über die Brücke. Das Männlein stellte sich in die Mitte der Brücke und fragte den Bauern: "Wohin gehst du?" Einige Jahre vergingen. Beide vergaßen die Worte des Männleins. Der Bauer heiratete jenes Bauernmädchen. Das junge Ehepaar war glücklich. Drei Knaben und ein Mädchen schenkte ihnen Gott. Dreizehn Jahre waren verstrichen seit jenem Tage, an dem sie mit dem Männlein auf der Stegner Brücke zusammen trafen. Auf einmal klopfte jemand an der Tür. "Herein!" sprach der Bauer. Da trat jenes Männlein ein. "Ihr habt", begann es zu sprechen, "sehr schlecht euer Wort gehalten. Nun müßt ihr mit." Jetzt erinnerten sich beide an das gegebene Wort. "Wir haben aber vier Kinder und können daher nicht fortgehen," wendete der Bauer ein. "Dann will ich von meiner Forderung abstehen", sprach das Männlein
und verschwand. Quelle: Anton Schipflinger in: Tiroler Heimatblätter,
1938 Nr. 9/10, S. 290. |