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Sagen vom Harlaßanger-Kirchlein Der Wallfahrtsort der Brixentaler Älpler Harlaßanger, welcher zweieinhalb Stunden von Kirchberg am Gaisberg liegt, ist von vielen Sagen umrankt. Ein alter Senner erzählte mir die aufgezeichneten Sagen. In uralter Zeit hauste in der Nähe von Harlaßanger ein Kohlenbrenner. Eines Tages, als der Köhler dabei war, einen Stamm zu klieben, wurde er ganz verzagt, denn das Holz brachte er nicht entzwei. Da erschien ihm ein wildes Fräulein und fragte den Köhler, ob sie ihm helfen dürfe. Das gefiel dem Köhler. Das wilde Fräulein tat ihre Hände in den Spalt, um den Stamm auseinanderzureißen. Doch der Köhler nahm sofort die Keile heraus - und das wilde Fräulein war mit den Händen eingeklemmt. Das wilde Fräulein schrie um Hilfe. Ein Riese kam und befreite das Fräulein. Zum rohen Kohlenbrenner aber, der bis jetzt zuschaute und lachte, rief der Riese folgende Worte: "Haar laß, hin bist du doch!" Auf der Stelle stürzte der Kohlenbrenner tot zusammen. Viele hundert Jahre später baute ein Bauer - es soll der letzte Nachkomme von diesem rohen Kohlenbrenner gewesen sein - das Harlaßanger-Kirchlein, damit kein Unrecht mehr in dieser Nähe geschähe.
So kam es auch. Einige Monde nach diesem Geschehnis wurden der Bauer
und sein Sohn Opfer des Kriegssturmes. Die Bäuerin ließ zum
Andenken an ihren Mann und ihren Sohn das Harlaßanger-Kirchlein
erbauen. Quelle: Anton Schipflinger in: Sonntagsblatt Unterland
1936, Nr. 17, S. 7 |