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Der Geist an der Larchkapelle Nordwärts vom Dorfe Weer, zwischen Wattens und Schwaz, steht auf dem Weerer Berg, am Scheidewege von diesem nach dem Kolsaßer Berg, eine Kapelle im Walde, und unweit davon liegen noch die Trümmer des alten Schlosses Rettenberg, das ein Ritter mit seinem Sohne inne hatte. Letzterer verirrte sich während eines Unwetters auf der Jagd und fand den Weg zum Schlosse nicht mehr, weil die Nacht eingebrochen war. Dagegen kam er an ein kleines Haus, das ein Bauer mit seiner Frau bewohnte. Er klopfte an und bat um ein Obdach für die Nacht, und es wurde ihm auch willig aufgetan. Des Jünglings reiche Tracht und schöne Waffen erweckten in dem Bauern unlautere, habsüchtige Gedanken; er verabredete mit seinem Weibe, den Gast zu ermorden, sein Geschmeide und seine Wehr an sich zu nehmen und die Leiche im Walde zu verscharren. Gott fügte es aber anders; der Jüngling hörte den Bauer eintreten, sprang rasch vom Lager, ergriff sein Schwert, und da es mondhell war und die Axt in der Hand des Bauers die böse Absicht verriet, so versetzte jener diesem einen Schwertschlag, daß er alsbald zu Boden taumelte, und enteilte. In kurzem war das Haus umzingelt: Mann und Weib wurden gefangen und hingerichtet. Der Ritter ließ zum Danke für die Rettung seines einzigen Sohnes die noch stehende Larchkapelle erbauen. Jenes verräterische Paar aber wandelt noch immer in deren Nähe umher, sie erscheinen ganz dunkel und sind sehr gefürchtet, denn das Volk sagt, daß, wer sie erblicke, alsbald tot zu Boden sinke. Vor 30-40 Jahren soll sie eine Frau vom Weerberg zum letzten Male gesehen haben.
Quelle: Deutsche Alpensagen. Gesammelt und herausgegeben von Johann Nepomuk Ritter von Alpenburg, Wien 1861, Nr. 95 |