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Die Hexe Stase

Die Sage von der Sattelhexe wird auch noch in einer anderen Weise, und etwas ausgeschmückt, erzählt. Sie lebte als Bäuerin auf dem Zöbelhof unweit der Straße, die von Landeck hinauf gen Prutz führt, und hieß Stase. Ihr Aussehen war echt hexenhaft, furchtbar und schreckhaft, und ebenso waren auch ihre Hexentaten als: Vieh sterben lassen und Wetter machen. Wenn letzteres geschah, ritt die Hexe Stase auf ihrem Sattel durch die Lüfte und kehrte die Wolken mit ihrem Besen zusammen. Da gab es Hagel und Muren und schreckliche Wassergüsse und allerlei Unheil und Unglück. Die Hexe Stase hatte einen Mann, der war ein Schuster und arbeitete im Lande herum bei den Leuten auf der Stör. Er besaß ein kleines Feld, auf dem er Gerste gesät hatte; diese war geschnitten, lag in Schocken (Garben) auf dem Felde und sollte nun heimgeschafft werden. Es drohte aber schon früh gar arg mit Gewittern, und die Hexe hatte vor, ihren Sabbattag zu feiern; sie widersetzte sich daher dem Befehle ihres Mannes, die Gerste heimzuschaffen, und sagte ihm, er solle nur auf seine Stör gehen, sie werde die Gerste schon heimführen. Der Mann ging, und er blickte besorgt nach seinem Felde und seinen Gerstenschocken.

Die Hexe Stase © Maria Rehm

Die Hexe Stase
© Künstlerin Maria Rehm
© Viktoria Egg-Rehm, Anita Mair-Rehm,
für SAGEN.at freundlicherweise exklusiv zur Verfügung gestellt

Das Gewitter stand schon hoch über dem Tale - da sah der Schuster seine böse Runsa dahergesaust kommen; sie saß auf ihrem Sattel, hielt ihre Gabel wie eine Lanze, stach eine Garbe an und flog mit ihr davon, und im Hui erhoben sich alle Garben und flogen nach und in seinen Stadel hinein, als kaum die ersten Tropfen fielen. Gleich darauf brach das greuliche Ungewitter los. - Dem Mann grauste. Er ging nach Landeck zum Gericht und zeigte sein Weib an; alsbald wurde dieselbe gefangen und in einen kupfernen Kessel gesetzt, denn sie durfte die Erde nicht mehr berühren. Man verurteilte sie zum Feuertode, und sie sprach noch, als sie den Scheiterhaufen bestieg: "Heute macht es warm." Lange Zeit wurde noch auf dem Schlosse zu Landeck der Sattel gezeigt.

Quelle: Deutsche Alpensagen. Gesammelt und herausgegeben von Johann Nepomuk Ritter von Alpenburg, Wien 1861, Nr. 188.