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Der heilige Valentin und die Schlösser
Wie die heidnische Sage des Tiroler Landes nicht selten alle Legendenstoffe zu sich heranzieht und sie umwandelt, so hat sie auch den hl. Valentin in ihren Kreis gezogen. Dieser soll seinerzeit in die rauhe Gegend von Nauders gekommen sein, "wo es drei Vierteljahr Winter und ein Vierteljahr keinen Sommer gibt", und dort das Christentum gepredigt haben. Bereits standen dort zwei Schlösser, denn eine Römerstraße zog durch dieses Hochtal, und Nauders hieß vom nahen Inn (Oenus) Oenotrium. Die Witterung war übel, und der Heilige, der vom Reschnersee herauf über verschiedene Höhen gekommen war, suchte Unterkommen im ersten der Schlösser. Dessen noch heidnischer Besitzer weigerte aber dem Fremdling die Aufnahme und trieb ihn ungastlich von der Schwelle. Da verwünschte der heilige Mann das Schloß, und es versank mit allem, was darinnen war. Der Heilige durchschritt hierauf den Lärchenwald und zerstörte den heidnischen Opferaltar, der in dessen Mitte unter dem "heiligen Baum" stand; dann wandte er sich in das Schloß zur Linken, Naudersberg geheißen, wo er willkommene Aufnahme fand. Dieses segnete der heilige Valentin, und es steht noch heute.
Quelle: Deutsche Alpensagen. Gesammelt und herausgegeben
von Johann Nepomuk Ritter von Alpenburg, Wien 1861, Nr. 230.
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