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Der Garten Abrahams

Zwischen der Landschaft Judicarien (Quiedi curiae) und der Landgemeinde Limone ist auf dem Grenzrücken ein herrliches Alpen- und Waldgefilde ausgebreitet, darauf nicht nur die köstlichsten Nutz-, Heil- und Futterkräuter wachsen, sondern überhaupt eine Alpenflora sproßt, die des Pflanzenforschers Herz mit Wonne erfüllt. Das ist der Garten Abrahams, II giardino d'Abraham. Auf demselben glücklichen Bezirk springt eine Quelle, deren Umgebung Abrahams Küchengarten, Orto d'Abraham, heißt. Mag mancher Ortolan daselbst sich fett speisen! Die Volksmeinung geht dahin, der Urstock des überaus herrlichen Wassers dieser Quelle sei in den Schweizer Alpen befindlich und ströme durch unterirdische Kanäle, erst hier zutage kommend, um das südliche Tiroler Alpenvorland zu erfrischen.

So viel darf geglaubt werden, daß der Erzvater Abraham, hätte er diesen seinen Grundbesitz mit eigenen Augen gesehen und von diesem seinem Quellbrunnen getrunken, wohl nicht nach Ägyptenland gezogen wäre.

Quelle: Deutsche Alpensagen. Gesammelt und herausgegeben von Johann Nepomuk Ritter von Alpenburg, Wien 1861, Nr. 400.