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Der Fischotter

Ehe noch die Gegend um Primiero von Menschen bewohnt war, bedeckte das ganze Tal ein großer See, an dessen Ufer kein anderes warmblütiges Wesen hauste als ein Fischotter. In diesem wohnte aber ein seltener Naturtrieb; er grub und grub fortwährend und unermüdlich unter dem Wasser einen tiefen engen Graben, in diesen drang das Wasser immer nach, und endlich kam der Otter weit von seinem Wohnort in einem Tale heraus, und das ganze Wasser strömte aus, und der ganze See lief allmählich ab, erweiterte auch von selbst den Durchgang und die Mündung. In Jahresfrist lag das Tal mit frischem Wiesengrün und herrlichen Weiden da.

Gar bald kamen Menschen, die sich zuerst hier anbauten, und weil sie das taten, nannten sie auch ihren jungen Ort Primiero, d. h. soviel als Ursprung, Erstling, erster Anbau, und dann nahmen sie zu dankbarer Erinnerung den Fischotter in ihr Gemeindewappen auf und führen dasselbe noch bis zum heutigen Tag.


Quelle: Deutsche Alpensagen. Gesammelt und herausgegeben von Johann Nepomuk Ritter von Alpenburg, Wien 1861, Nr. 401.