|
SAGEN.at >> Traditionelle Sagen >> Österreich >> Tirol >> Osttirol |
|
|
Die Fichte auf Kienburg
Im Landgerichtsbezirke Windischmatrei, im Iseltale, stand einst die Feste Kienburg, das Stammschloß der in Böhmen hausenden Grafen gleichen Namens. Einmal war darauf ein Besitzer, der, obschon reich und mächtig, gegen seine Untertanen doch sehr drückend und grausam war. Da er einem armen Weiblein die Kuh pfänden ließ, sprach dieses folgenden grausamen Fluch über ihn aus: "Daß er verdirbt und so lange im Fegefeuer büßen soll, bis die Burg verfallen und auf deren Trümmern eine Fichte gewachsen sein wird, aus deren Holz eine Wiege gemacht und ein Knäblein dareingelegt wird, das sich dem Priesterstande widmet. Erst wenn dieser seine erste Messe zum Heile der armen Seele des Grafen liest, soll der Graf befreit sein aus seiner Pein." Schon grünet die bedeutungsvolle Fichte, und mancher Wanderer, der
an den Ruinen vorbeigeht, sieht sie mit Ernst und Nachdenken, schlägt
ein Kreuz und betet ein Vaterunser für die büßende Seele. Quelle: Deutsche Alpensagen. Gesammelt und herausgegeben von Johann Nepomuk Ritter von Alpenburg, Wien 1861, Nr. 342. |