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Das Eschenreis

Ein Mädchen aus dem Alpbachtale stieg im Frühjahr auf die Alm; da fand es auf seinem Pfade ein Eschenreis, das hatte wunderseltsame Knoten und Auswüchse, weshalb das Mädchen dasselbe aufhob und mitnahm. Nach einer Stunde Weges kam die Dirne an eine kleine Grube, in der noch Schneewasser vom Winter her stand, und in der Lache schwamm junge, schwarze Brut von Fröschen und Wegnarren (Salamander). Da schlug das Mädchen mit dem Eschenreis in die Lache, und im Augenblick stieg ringsum schwarzes Gewölk auf, der Himmel verfinsterte sich mehr und mehr, es begann zu hageln, daß die Alm wie überschneit war. Bald aber war alles licht und heiter wie vor und eh'. Das Eschenreis war einer Wetterhexe aus ihrem Besen gefallen.

Quelle: Deutsche Alpensagen. Gesammelt und herausgegeben von Johann Nepomuk Ritter von Alpenburg, Wien 1861, Nr. 52