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Der Drache im Seefelder See Eine Poststation hoch über Zirl liegt die Hochebene von Seefeld. Einst befanden sich dort zwei Seen von ziemlichem Umfang, welche dem Orte den Namen verliehen; jetzt sind sie unbedeutender, aber immer lebt noch im Volke der Glaube, daß beide, oder doch einer derselben, von ganz unergründlicher Tiefe sei, wie denn dieser Glaube an so viele Bergseen sich anknüpft. Ein Mann aus Seefeld wollte einst den größeren der Seen untersuchen, wähnte ihn nicht tief und ritt mit einem Pferde hinein. Eine Zeitlang fand das Pferd noch Boden, aber als es gegen die Mitte kam, fand es keinen Boden mehr und mußte mit seinem Reiter schwimmen. Gleichzeitig entstieg dem Grunde des Sees ein greulicher Drache, der rief mit drohender Stimme, während seine Augen zornvoll funkelten:
Wobei der Drache mit dem ungewohnten Ausdruck "schlünden"
weiter nichts sagen wollte, als daß er ganz Seefeld in den Schlund
seines Rachens hinabschlingen wolle. Damit begann er zu gleicher Zeit
die erste Probe zu machen, indem er Roß und Reiter verschlang und
mit ihnen wieder in die unergründliche Tiefe versank. Nach einigen
Wochen fand man auf dem zweiten See den Sattel des Pferdes, auf welchem
der Reiter gesessen hatte, schwimmend, den der Drache als gar zu unverdaulich
nicht bei sich behalten hatte, und man ersah daraus den unterirdischen
Zusammenhang beider Seen. Seitdem ist es keinem wieder eingefallen, die
Tiefe des Sees messen zu wollen.
Daß sich die Seen nicht gerne ergründen lassen, lehren auch
Sagen in andern deutschen Ländern. Quelle: Deutsche Alpensagen. Gesammelt und herausgegeben von Johann Nepomuk Ritter von Alpenburg, Wien 1861, Nr. 133
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