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Die streitbaren Brüder
Zuletzt bewohnten zwei Brüder diese Burg. Sie lebten jedoch in Zwietracht miteinander, deshalb wollten sie sich trennen. Einer sollte den Besitz übernehmen, der andere mit Geld und anderen Werten abgefertigt werden. Aber auch hier gerieten sie in Streit. Der scheidende Bruder sah sich übervorteilt, er bildete es sich zumindest ein; immerhin war sein Erbe ganz beträchtlich. Diesen Schatz vergrub er auf dem "Hösl", einem bekannten Übergang zwischen Alpbach und Wildschönau.
Ja, da hatte er das Seine wohl in Sicherheit gebracht, die Zweifel aber ließen ihn nicht los. Hatte sein Bruder ihn betrogen? Düstere Rachegedanken umschwelten ihn. Und in einer Nacht, als alle schliefen, da setzte er die Burg in Brand. Schnell griff das Feuer um sich. Nichts konnte gerettet werden. Alle Menschen in dem weitläufigen Gebäude kamen elend um. Der Ritter aber, der das unselige Werk auf dem Gewissen hatte, hockte während der ganzen Zeit auf einem Felsvorsprung und sah unbarmherzig zu. Das Schreien der gequälten Menschen ging unter im Brechen der Balken, im Prasseln der blindwütigen Feuersbrunst. Ein Funkenregen nach dem anderen ergoß sich in den nachtschwarzen Himmel, glühende Geschosse flogen ins Weite. Und eines davon traf den Übeltäter am Kopf. Dies war die Vergeltung. Besinnungslos stürzte der Ritter den Abhang hinunter. Auf einer ebenen Fläche blieb er liegen.
Die Seele aber fand noch lange keine Ruhe. Als Geist war der Ritter aufs Hösl hinauf gebannt, dort mußte er seine vergrabenen Schätze hüten.
Wie aber kam es zur Heidenglocke? Als das Schloß niederbrannte, da schmolzen auch die reichen Schätze in den Gewölben. Diese flössen den Felsen hinab und erstarrten drunten zu einer festen Rinde. Man fand sie später auf und verwendete sie, um für die neuerbaute Kirche in Alpbach eine Glocke zu gießen. So entstand die Heidenglocke.
Quelle: Die Heidin, Alpbacher Sagenbuch, Berta Margreiter, Innsbruck 1986, S. 16f. |