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Die Sage von Bischofsbrunn
Da geschah es einmal, daß ein Bischof in diese Gegend kam. Er wußte vom Unglauben ihrer Bewohner, sprach ihnen freundlich zu, doch sie zeigten sich verstockt und unzugänglich. Der Bischof sah die verirrten Schäflein der Reihe nach an, und plötzlich empfand er tiefes Mitleid für sie. Nicht ohne Strenge aber sagte er: "Ihr glaubt also, auf dem rechten Weg zu sein? Wenn die zehn Gebote für euch keine Geltung mehr haben, wenn Lug und Trug an der Tagesordnung sind, wie sollt ihr dann vor Gottes Richterstuhl bestehen können?" Bekümmert senkte er den Kopf, als er die noch immer trotzigen Gesichter betrachtete, dann fuhr er fort:
Eine seltsame Kraft sprach aus seinen Augen, so verharrte er einige Augenblicke still, dann kniete er sich hin auf den Weg, unbekümmert um die spitzen Steine, die überall herumlagen. In großer Demut neigte der Bischof sein Haupt, nahm den Stab in seine Rechte und verkündete:
Die feierliche Rede machte nun doch Eindruck, aber die verstockten Seelen waren zu sehr im Bösen verwurzelt, als daß sie in wenigen Minuten anderen Sinnes werden konnten. Schon wollten sich Gelächter und Spottreden hervorwagen, da schlug der Bischof dreimal, wie angekündigt, mit seinem geweihten Stab an die Felsenwand. Und siehe da - sogleich floß Wasser heraus, glasklares Brunnenwasser. Da verstummte das Lachen und der Spott. Die Leute bekreuzigten sich hastig,
und in dieser Stunde bekehrten sich alle. Ja, sie schämten sich nun,
daß ein Wunder wie dieses geschehen mußte, um sie von ihrem
unlauteren Lebenswandel abzubringen. Von nun an wollten sie ein gutes,
christliches Leben führen und Buße tun für ihre Sündenschuld.
Quelle: Die Heidin, Alpbacher Sagenbuch, Berta Margreiter, Innsbruck 1986, S. 66f. |