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DER TEUFELSGRABEN AUF DEM LEIBNITZERFELDE

Unweit von Lebring, unterhalb Bachsdorf, zieht sich von der Mauer weg ein riesiger Graben, anfänglich in der Richtung gegen Leibnitz, macht aber dann an der Landstraße eine scharfe Wendung quer übers Feld gegen Laßnitz zu. Dieser Graben ist der Rest eines noch aus der Römerzeit stammenden Kanals, welcher, die Laßnitz mit der Mur verbindend, sich durchs ganze Leibnitzerfeld nahe an der alten Stadt Flavia Solva vorbeizog.

Die Bewohner der dortigen Gegend nennen diesen Graben "Teufelsgraben" und erzählen, daß einst der Teufel auf die Bewohner von Leibnitz sehr zornig geworden und deshalb beschlossen hätte, die Mur ab- und in den genannten Markt zu leiten und diesen durch Überschwemmung zu zerstören. Er legte deshalb den Graben an, kam aber mit seiner Arbeit nur bis zur Landstraße und mußte hier seine böse Absicht aufgeben.

Als er nämlich mit dem Graben anhub, gesellte sich zu ihm ein junger Mensch, welcher ihn fragte, was er vorhabe. In seinem Zorne plauderte der Teufel seine Absicht aus. Darauf fragte jener, bis wann das Werk fertig sein solle. "Bis zum ersten Hahnenschrei!" war die Antwort. Da dachte der Bursche an die Gefahr, in der die ihn dauernden Leibnitzer schwebten, und er beschloß, den Teufel zu überlisten. Also begab er sich von hier weg und suchte sich ein Versteck, von dem aus er unbemerkt dem Fortgange des höllischen Werkes folgen konnte. Der Teufel, ganz erfüllt von seiner Absicht und eifrigst mit der Vollendung der Arbeit beschäftigt, beachtete den Burschen nicht weiter. Als er endlich den Graben bis zur Landstraße fertiggebracht hatte, klatschte der Bursche mit der einen Hand in die andere und krähte wie ein Hahn. Da wurde das Federvieh auf den bis jetzt stillen Höfen der umliegenden Bauernhäuser lebendig; jeder einzelne Hahn ließ sein "Kikeriki!" ertönen, und heraus aus ihren Schlägen flogen die Hühner.

Nun konnte der Teufel sein Werk nicht mehr beenden und fuhr deshalb zornig zur Hölle hinab; den Graben aber ließ er, soweit derselbe geführt worden war, als ein Wahrzeichen seines mißglückten höllischen Planes stehen.

Sagen aus der grünen Mark, Hans von der Sann, Graz 1911