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DER BAUER UND DER TEUFEL

Auf einer Voralpe des Hochschwabs, dem Hochedel, befindet sich eine Fläche, welche völlig kahl und nur an einer Stelle in der Form eines Kreuzes mit Gras bewachsen ist.

Vor vielen Jahren lebte in dem durch seine Wildheit berühmten, von hohen, fast senkrecht abstürzenden Felsen umschlossenen Gebirgskessel Weichselboden ein Bauer, der für den wohlhabendsten in der ganzen Gegend gehalten wurde. Er verlebte viele Jahre froh und glücklich, dann aber brach schweres Unglück über ihn herein; es traf den Talbauern Schlag auf Schlag, so daß er endlich ganz verarmt von Haus und Hof gehen mußte. In seiner Verzweiflung wandte er sich an den Teufel, welcher auf dem Hochedel sein Unwesen trieb. Sie wurden miteinander einig; der Teufel gab ihm so viel Geld; als nötig war, um die Wirtschaft wieder zur Blüte zu bringen, dafür sollte der Böse den Bauern, wenn dessen Zeit um war, auf dem Hochedel abholen, jedoch nur unter der Bedingung, daß er das heben könne, was der andere mitbrächte.

Vergnügt ging der Bauer heim, ließ das Geld segnen, damit es in der Tasche nicht zu wertloser Kohle würde, und binnen Jahresfrist war er denn auch richtig wieder reich, ja reicher denn zuvor. Nun rückte aber auch der Jahrestag, an dem er den Teufel erwarten sollte, immer näher heran. Der Talbauer ließ sich ein großes, hölzernes Kreuz machen, es weihen, und begab sich damit getrost auf den Hochedel. Der Teufel erschien und wollte ihn sogleich mit sich nehmen, aber lachend forderte ihn der Bauer auf, das zu heben, was er mitgebracht habe. Da fuhr nun der Böse zurück, denn das heilige Zeichen des Kreuzes durfte er ja nicht berühren, und wütend darüber, daß er überlistet worden, wich er scheu zurück auf einen steilen Felsen und floh heulend von dannen.

Aber auch das Kreuz verschwand mit einem Mal. Dafür aber prangte an der Stelle des nackten Felsens, wo es der Bauer auf den Boden niedergelegt hatte, ein anderes, aus dem schönsten Rasen gebildet.

Fröhlich kehrte der Bauer zu den Seinen zurück und lebte noch viele Jahre glücklich und zufrieden. Auch seinen Nachkommen ging es gut. Der Teufel hingegen soll noch immer wütend darüber sein, daß ihm sein Opfer entgangen war, und zu Beginn des Frühlings versuchen, das Gerölle von den Felswänden in den Gebirgskessel von Weichselboden hinunterzustürzen.

Sagen aus der grünen Mark, Hans von der Sann, Graz 1911