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DER AMTMANNSGALGEN UND DER BUCKLIGE SCHNEIDER

In der Schlucht, welche von Admont nach Johnsbach führt, gelangt man zu einer Stelle, an welcher zwei hohe Felsensäulen wie Pfeiler eines Tores emporragen. Man nennt sie den "Amtmannsgalgen" und erzählt sich darüber folgendes: Der Amtmann von Krumau hatte ein sehr böses Weib, das ihm durch Zanksucht und andere üble Gewohnheiten das Leben so verbitterte, daß er sein Hauswesen, ja selbst die herrschaftlichen Geschäfte vernachlässigte, sich dem Trunke und Spiele ergab und wochenlang in den Schenken verweilte. Dazu bedurfte er des Geldes, und da ihm solches ausgegangen war, ging er in die Wildnis von Johnsbach und verschrieb sich hier dem Teufel. Also bekam der Amtmann Geld im Überflusse, ja der Teufel mußte ihm selbst in Gestalt eines Jägerburschen dienen; dafür aber sollte der Amtmann dem Satan nach Jahr und Tag mit Leib und Seele verfallen sein.

Jetzt hatte der Amtmann von Krumau ein lustiges Leben, er kümmerte sich weder um sein Weib, noch um die herrschaftliche Obrigkeit; dafür aber erging es dem Teufel um so schlechter. Er mußte, so oft ihn der Amtmann wohin sandte, immer dessen Gestalt annehmen. Und so ließ bald die liebenswürdige Frau Amtmann, welche den Bösen für ihren richtigen Gemahl hielt, zahlreiche Spuren ihrer Nägel auf dem Gesichte des Teufels zurück; dann wurde er wieder von den Bauern, deren Streitigkeiten der Satan für den Amtmann zu schlichten hatte, beschimpft, aus dem Wirtshause hinausgeworfen, geprügelt und mit Füßen getreten; endlich erhielt er sogar auf Befehl des Hofrichters fünfzig derbe Stockprügel, die ihn ordentlich schmerzten, da er eine solche Strafe nicht gewöhnt war. Der Amtmann aber lachte sich ins Fäustchen, wenn so der Teufel für ihn das Bad ausgießen mußte.

Endlich war die Zeit um. Der Teufel befahl dem Amtmann, sich seine Todesart selbst zu wählen; er wollte ihm eben zur Strafe für die ausgestandenen Schmerzen den Abschied vom Leben recht schwer machen. Aber der Amtmann war schlau, schlauer als der Teufel. Er besah sich die beiden von der Natur gebildeten Pfeiler unweit der Johnsbacher Brücke und erklärte, er wolle sich hier zwischen den zwei Säulen aufhängen, meinte aber auch zugleich, daß es damit noch lange Zeit habe, denn er müßte erst ein taugliches Querholz dazu finden.

Da sah sich der Teufel überlistet; er erklärte den Amtmann selbst für die Hölle zu schlecht, versetzte ihm eine Ohrfeige und verschwand dann. Seit dieser Begebenheit heißen nun die beiden Steinpfeiler "der Amtmannsgalgen".

Der Amtmann selbst soll hierauf ein ehrbares, gottesfürchtiges Leben begonnen und vom Abte des Stiftes Admont volle Verzeihung für alle Vergehen und Dienstversäumnisse erhalten haben; auch seine böse Ehehälfte legte ihre unleidlichen Sitten ab; denn, von heilloser Furcht vor dem Bösen ergriffen, fürchtete sie, daß am Ende der Teufel doch noch ihren Mann, ja vielleicht gar sie selbst holen käme. Eben in dieser Schlucht, welche nach Johnsbach führt, heißt auch ein Fels "der bucklige Schneider", an den sich eine ähnliche Sage knüpft.

Ein Schneider aus Johnsbach hatte sich nämlich dem Teufel verschrieben. Dieser mußte ihm vier Jahre lang dienen. Auch hatte er ihm einen eisernen Ring gegeben; wenn diesen der Schneider am Zeigefinger drehte, so besaß er alle Macht des Satans, während dieser seine Gewalt ganz und gar verlor. Da trieb es nun der Meister gar kunterbunt und schwelgte im Überflusse. Nachdem aber seine Zeit aus war, kam der Teufel, erwürgte den Schneider und entführte seine Seele in einer Nadelbüchse.

Sein Leib wurde in Stein verwandelt und so steht nun der "bucklige Schneider" für alle Zeiten als Wächter am Johnsbacher Felsentore.

Sagen aus der grünen Mark, Hans von der Sann, Graz 1911