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DIE AUFFINDUNG DES STEIRISCHEN ERZBERGES Wenn man vom heutigen Markte Eisenerz den Erzbach durch das Münnichtal
hinaus verfolgt, so verenget sich da, wo der Bach des Leopoldsteinersees
herabrauscht, das Tal zwischen den himmelhohen, kantigen Felswänden
zu einer engen Schlucht. Rechts, hart neben der Straße am Fuße
der nördlichen Steinwand, erblickt man eine grottenartige Vertiefung
und in derselben manchmal das Spiel schwarzer Fische in dem dunklen Wasser
am Boden der Grotte. Einst, tausend Jahre vor Christo, zu König Davids
Zeiten soll es gewesen sein, bemerkten die Bergbewohner öfters eine
seltsame Menschengestalt aus jenen Höhlenfluten auftauchen und an
der Sonne sich gütlich tun. Sie beschlossen, dieses Geschöpf,
das sie für einen Wassermann hielten, zu fangen. In der Voraussicht,
daß sie dessen schlüpfrigen Fischleib mit den Händen nicht
würden festhalten können, ersannen sie eine List, die ihnen
auch gelang. Die Leute bekamen den durch Speise und Trank betäubten
und in ein innen mit Pechbeschmiertes Kleid verwickelten Wassermann wirklich
in ihre Gewalt. Voll Freude über ihren Fang, führten sie ihn
nun taleinwärts. Schon waren sie an die Stelle gekommen, von welcher
man zum erstenmal den Erzberg erblickt und wo nun nicht weit vom Schlosse
Leopoldstein ein gemauertes Wegkreuz steht. Aber hier wollte der Wassermann
nicht weiter; er sträubte sich mit Macht gegen seine Führer,
jammerte und bot hohe Geschenke für seine Loslassung an. "Laß
hören", sprachen die Bergbewohner, "was Du uns bieten kannst!"
Sagen aus der grünen Mark, Hans von der Sann, Graz 1911
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