SAGEN.at >> Traditionelle Sagen >> Österreich >> Steiermark >> Burgsagen aus Steiermark, Romuald Pramberger, Seckau 1937

   
 

Entstehung von Schallaun (Puxerloch).

Karl der Große, der mächtigste Herrscher des Frankenvolkes, hatte die Schlacht gegen die kriegerischen Sachsen geschlagen und feierte die Heldentat durch ein prunkvolles Siegesmahl. Immer wieder mußte sein Lieblingsedelknabe Charlot von Chalon den Becher des Königs füllen, und die erhitzten Gemüter verhandelten, was mit den 30.000 besiegten gefangenen Sachsen geschehen sollte. Und man beschloß, dieselben in die entlegenen Teile des Reiches zu verteilen, darunter auch die beiden Töchter eines gefallenen sächsischen Heerführers. Beide waren dem Charlot anvertraut. Diesem Edelknechte erbarmten die beiden Jungfrauen so, daß er auf das glänzende Leben am fränkischen Hofe verzichtete und sich dem Wohle der armen Mädchen widmete. Und so flüchtete er mit ihnen und entdeckte die Felshöhle ob des Murtales, wo er sich den Späherblicken verbergen konnte. Durch einen geheimnisvollen Gang war es ihm möglich, hilfreiche Alpler aufzusuchen. Als die kriegerische Zeit vorüber war und Charlot nicht mehr Verrat zu fürchten brauchte, baute er sich in der Höhle ein Schloß, heiratete die eine der Schwestern und ward Ahnherr eines gefürchteten Raubrittergeschlechtes.                      
(Schmutz.)

Quelle: Burgsagen aus Steiermark, P. Romuald Pramberger, Seckau 1937, S. 55.
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