SAGEN.at >> Traditionelle Sagen >> Österreich >> Steiermark

   
 

Das habsüchtige Kräuterweib am Reichenstein

Eine alte Kräutersammlerin soll einst am Reichenstein in eine Höhle geraten sein. Sie riß einen Zapfen, ähnlich dem der Fichte, aber aus purem Golde ab. Als ihr dies gelungen war und sie sich vom Goldwerte desselben überzeugt hatte, schüttete sie alle ihre mühsam gesammelten Kräuter aus der Schürze und füllte diese mit goldenen Zapfen an, sodaß sie kaum mehr zu tragen vermochte. Nachdem sie die Höhle verlassen hatte, wurde auf einmal ihr Schürze ganz leicht. Sie blickte erstaunt hinein und -o weh! Die goldenen Tannenzapfen waren in wirkliche verwandelt. Nun wollte sie wenigstens ihre Kräuter wieder in die Schürze sammeln, fand aber leider die Höhle nicht mehr. Hätte sie, so meint man, sich mit einigen Zapfen begnügt und die Heilkräuter, welche für einen Schwerkranken bestimmt waren, nicht weggeworfen, so wäre sie reich geworden. So aber folgte die Strafe für ihre Habsucht und ihren Eigennutz.

Quelle: Johann Krainz, Mythen und Sagen aus dem steirischen Hochlande, Bruck a. d. Mur 1880, S. 157, Nr. 116 "Bestrafte Habsucht" nach mündlicher Mitteilung von Lehrer Josef Labres in Landl.
In: Günther Jontes. In: Bergknapp, Teufel, Wassermann, Das Sagenbuch der Steirischen Eisenstraße, Leoben 2001, S. 68.