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Die verwunschene Gräfin

Südlich von Übersbach, am rechten Rittscheinufer, stehen niedere Hügel – die so genannten „Kögeln“; darunter ist auch der Domkogel. Von ihm erzählt die Sage, dass auf seiner Kuppe einst ein schönes Schloss gestanden sei, von dem heute nur ganz geringe Trümmer zu sehen sind.

Dieses Schloss gehörte einem reichen Grafen, der ein besonders schlechter Christ war und ein geradezu lasterhaftes Leben führte. Als Strafe für all die begangenen Untaten ist das Schloss eines Tages samt dem Grafen und der Gräfin, die auch nicht besser war, vom Erdboden verschwunden. Die großen Schätze aber, die sich im Schloss befanden, liegen noch heute ungehoben unter den Trümmern verborgen. Sie werden von einer großen Schlange bewacht; diese ist aber niemand anderer als die verwunschene Gräfin. Sie muss als Schlange die Schätze so lang behüten, bis ein braver Mensch sie einmal erlöst. Alle hundert Jahre einmal darf sie selbst den Versuch machen, einen solchen Menschen zu finden.

Einmal zeigte sich die Gräfin auf dem Domkogel als Schlange mit dem goldenen Schatzschlüssel im Maul einem braven Mädchen und bat es inständig, ihr den Schlüssel zu entreißen, dann könnte es den Schatz heben und überreich werden. Das Mädchen aber fürchtete sich und lief vor Angst davon. Nach abermals hundert Jahren zeigte sich die Gräfin in ihrer wahren Gestalt einem armen Burschen, der als Knecht beim Kratzwohl in Übersbach gedroschen hatte. Als der Bursch gerade allein in der Tenne war, stand plötzlich eine fremde Frau vor ihm und sagte:“ Fürchte dich nicht, ich meine es gut mit dir und will dich sehr reich machen. Du hast gewiss schon vom Schatz im Domkogel gehört, der von einer Schlange bewacht wird. Diese Schlange bin ich, und du sollst noch heute auf den Domkogel gehen. Ich werde dir dort als Schlange erscheinen, und du musst mir den goldenen Schlüssel entreißen. Dann kannst du den großen Schatz heben und bist ein reicher Mann. Ich aber bin dann erlöst.“ – Aber auch dieser Bursch getraute sich nicht, dies zu tun, und so muss die Gräfin als Schlange abermals weitere hundert Jahre und vielleicht noch viel länger warten, bis sie einmal erlöst wird.

Quelle: Brauner Franz (Hrsg.), Die Oststeiermark, in: Was die Heimat erzählt, Heft 11 S. 104 f, Graz 1953
Email-Zusendung Franz A. Rabl, Fürstenfeld, November 2008