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DIE "TEUFELSTÜR"

Wenn, man in die Pernegger Frauenkirche (Bauvollendung 1461) hineinkommt, befindet sich links vom Hochaltar der Eingang in die Sakristei und gegenüber (auf der rechten Seite des Altars) an der Wand deutlich sichtbar eine verputzte Stelle in der Größe einer Tür. Dort befand sich auch tatsächlich ein Ausgang ins Freie, der dann aber zugemauert wurde. Wie es dazu kam, erzählte meine Großmutter wie folgt:

Ein liebes Mädel aus der Oststeiermark hatte in ihrer Heimatgemeinde ein Verhältnis mit einem Bauernburschen und dies' blieb nicht ohne Folgen, sie wurde schwanger. Als die junge Mutter ihr Kind, (es war ein Mädchen,) geboren hatte und wieder wohlauf war, zog sie von Zuhause fort in eine Gegend, wo sie keiner kannte und niemand von dem Kind wußte. So kam sie nach Pernegg, wo sie sich bei einem Bauern als Magd verdingte. Für das Kind sorgte ihre Mutter in ihrem Heimatort. Ihr neuer Arbeitgeber hatte einen Sohn, der sich Hals über Kopf in die hübsche Dirn verliebte und auch gewillt war, das liebe Mädel zu heiraten. Die Dirn, geblendet von dem Traum, nun Bäurin zu werden, getraute sich dem Bauernsohn aber von ihrem Kind' nichts zu sagen, um ihn nicht zu verlieren.

Als die Hochzeit gefeiert wurde, kam auch die Mutter der Magd mit dem kleinen Mädchen (es war inzwischen schon fast drei Jahre alt,) in die Kirche und nahm in einer der vordersten Reihen Platz. Als die Braut in ihrem weißen Brautkleid mit ihrem Bräutigam vorn beim Altar stand, um getraut zu werden, riß sich das kleine Mädchen von seiner Oma los und lief zum Altar, wo seine Mutter stand. "Mama, Mama," rufend lief das Mädchen auf die Braut zu und streckte die kleinen Arme nach ihr aus. Die Braut war ganz verdattert und sagte zu dem Mädchen um noch alles gut zu machen:

"Kind, wenn ich deine Mutter bin,
dann komm' der Teufel und führ' mich hin!"

In dem Moment stürzte der Satan laut polternd und Schwefelgestank versprühend, durch jene ehemalige Seitentür in die Kirche, packte die Braut und schleppte die sich Sträubende durch jene Tür ins Freie. Die Hochzeitsgäste waren alle geschockt und getrauten sich nicht zu rühren. Als sich endlich einige Beherzte ins Freie wagten, war von der Braut und vom Teufel nichts mehr zu sehen. Lediglich versengte Teile des Brautkleides lagen noch vereinzelt auf der Straße. Die Braut aber war und blieb verschwunden.

Jene Seitentür, durch die der Teufel gekommen war, ließ sich von dem Zeitpunkt an nicht mehr schließen und deshalb gab der damalige Pfarrer den Auftrag, die Tür zuzumauern und die Stelle zu verputzen, aber man kann die Konturen der ehemaligen Tür noch heute deutlich erkennen.

Quelle: Brief-Zusendung von Sepp Maier aus Pernegg, 2. März 2004. Dieser hat die Geschichte von seiner Mutter gehört, welche sie wiederum von ihrer Mutter gehört hatte.