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Die Wilde Jagd am Schöckl

Die Buben des alten Bauern Schwaiger Steffl waren schlimme Burschen. Statt sonn- und feiertags in den Gottesdienst zu gehen, taten sie lieber an einem einsamen Winkel Kreuzerpecken oder standen lachend und plaudernd unter der Dorflinde.

Wenn sie an den Hängen des Schöckls Vieh hüteten, so fanden sie große Freude daran, schwere Steine den Berg hinabzurollen, die die Zäune durchbrachen und in den Wiesen des Alla Hansl liegenblieben, oder sie schreckten eine vorübergehende Alte und spielten ihr einen Possen.

Eines Tages weideten sie noch spät abends die Schafe ihres Vaters. Um sich die Zeit zu vertreiben, spielten sie „Fleischhauer“, einer stellte den Ochsen vor, der andere den Treiber und ein dritter den Hund.

Da läutete vom Kirchturm zu Radegund die Abendglocke, aber sie hörten nicht auf das Gebetläuten, sondern trieben ihr Spiel fort. Doch was bedeutete das laute Gebell, das Miauen, das vom Schöcklgupf ertönte und immer näher und wilder herabkam? Es war das Wilde Gjoad vom Schöckl!

Die Buben vergaßen ihre Rollen und bekreuzigten sich ängstlich. Diese Absicht war gut, denn im nächsten Augenblick rannten eine schwarze Katze und ein schwarzer Hund an ihnen vorüber und hinterließen einen abscheulichen Gestank. Ihre Augen waren glühende Kohlen und Feuerfunken sprühten vom ganzen Leib. Vor Schrecken betäubt, kehrten die Burschen in ihr Vaterhaus zurück. „Niemals mehr", so versicherte einer von ihnen, „werde ich es fortan unterlassen, beim Gebetläuten des Allmächtigen zu gedenken.“

Quelle: Eustachius Kurz, Schöcklsagen.
In: Annemarie Reiter (HG.), Grazer Sagen und Geschichten, Graz 1996, S. 156.