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Wie die drei Raben ins Wappen der Eggenberger kamen

Nahe dem alten Stammschloss der Fggenberger steht das neue Schloss, das so viele Fenster hat wie das Jahr Tage. Das Wappen der Herren von Eggenberg zeigt eine Fürstenkrone, die von drei Raben mit dem Schnabel getragen wird.

Der Schlossherr von Eggenberg war im Krieg gegen die Ungarn schon lange außer Haus. Seine Frau wurde währenddessen auf einem Spaziergang von einem alten zerlumpten Zigeunerweib angebettelt. Die Zigeunerin forderte frech eine Gabe, was die Schlossfrau erzürnte und darum gab sie ihr nichts. Die Zigeunerin schrie daraufhin: „Wartet nur, wartet nur, Ihr werdet noch an mich denken!" Nach einigen Jahren gebar die Schlossfrau einen Knaben. Eine Zigeunerbande kam einmal in den Schlosshof und spielte lustige Lieder. Die Schlossfrau war nicht zu Hause und das ganze Gesinde tanzte fröhlich mit den Zigeunern. Nur das Kindermädchen blieb beim Kind. Doch auch sie wurde zum Tanz geholt. Als sie zurückkehrte, war jedoch der Knabe aus der Wiege verschwunden. Die alte Zigeunerin hatte den Buben heimlich gestohlen. Mit dem Knaben waren auch die Zigeuner aus dem Schloss.

Einem Burschen, der nach Thal unterwegs war, fiel auf, dass drei Raben eine bestimmte Stelle umkreisten. Der Bursch ging dorthin und fand ein kleines, in Windeln gewickeltes Kind. Er nahm es und ging weiter nach Thal. Da traf er das weinende Kindermädchen, das den Knaben sofort erkannte und zurück in das Schloss brachte. Der Bursch, der das Kind gefunden hatte, wurde reichlich belohnt. Nachdem der Schlossherr aus dem Krieg zurückgekehrt war, nahm er zur Erinnerung an dieses schreckliche Ereignis die drei Raben in das Wappen der Eggenberger auf.

Quelle: Johann Schleich (Hg.), Der steirische Sagenschatz, Graz 1999, S. 389.