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Die Türkensäule am Eisernen Tor

Es war im Jahr 1664, als sich die Grazer wieder einmal auf einen bevorstehenden Ansturm der Türken vorbereiten mussten. Die Reichen der Stadt transportierten ihr Hab und Gut in die Obersteiermark, während Tausende Männer und Frauen die Stadtbefestigung ausbauten. Die Vorstadthäuser wurden niedergerissen und Graf Montecuccoli befahl, dass alle Gebäude zwischen dem Eisentor und der Leechkirche zu schleifen waren, da man den feindlichen Ansturm von dieser Seite erwartete.

Der Großwesir Achmed Körili lagerte bei St. Gotthart in Ungarn und Graf Montecuccoli zog ihm entgegen. Bei Mogersdorf kam es zu einer schrecklichen Schlacht, wobei die Hochwasser führende Raab das österreichische Heer unterstützte. Da verbreitete sich in Graz die Kunde, dass die Österreicher geschlagen wären, und viele reiche Grazer flüchteten in die Obersteiermark. Als auf der Riesstraße eine Staubwolke aufwirbelte, glaubten die Menschen, dass die Türken heranstürmten, und bereiteten sich auf einen Kampf vor. Doch es waren nicht die Türken, sondern die siegreichen heimischen Soldaten stürmten herbei und jubelten: „Viktoria! Viktoria! Sieg! Sieg! Sieg!“ Die Türken waren besiegt und aus Dank wurde eine Gedenksäule auf dem Karmeliterplatz errichtet, die später auf dem Jakominiplatz und dann am Eisernen Tor aufgestellt wurde. Das Metall für den Säulenguss stammte von erbeuteten türkischen Kanonen.

Quelle: Johann Schleich (Hg.), Der steirische Sagenschatz, Graz 1999, S. 379.