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Der Schratl am Oberschöckl

Einst fuhr um zehn Uhr nachts ein Fuhrmann über den Oberschöckl nach Passail.

Da vernahm er plötzlich hinter sich ein Geräusch. Er schaute sich ängstlich um, sah aber nichts.

Nun stieg er von seinem Wagen, und da bemerkte er zu seinem Erstaunen den Futterbogen, der auf dem Wagen gelegen war, auf dem Weg dahinrollen. Als er hinging, um ihn wieder auf den Wagen zu legen, hörte er ein merkwürdiges Grunzen, das nicht früher still wurde, bevor er arge Fluchworte aussprach. Als er am nächsten Morgen zu Hause aufstand, fand er sein bestes Pferd im Stall tot auf.

Er wollte dem Pferd die Stirnhaare glätten, aber sie aufzulösen war unmöglich. Sie waren zu einem Zopf verflochten. Er erzählte diese Begebenheit nun seinem Herrn. Dieser meinte, das hätte der Schratl getan. Damit er in Zukunft vor ihm sicher sei, solle er mit seiner Peitsche gegen die Pferde das Kreuzzeichen machen. Wenn er aber wieder etwas winseln und grunzen höre, solle er folgende Beschwörungsformel sagen:

Ich und du und alle guten Geister
loben Gott, den Herrn.
Ich frage dich beim lebendigen Gott:
Was ist dein Begehrn?

Sei der Geist schlecht, werde er vor der Formel fliehen, sei es ein guter Geist, werde er ihm seinen Wunsch offenbaren, und er werde ein glücklicher Mensch.

Quelle: Peter Sorger, HS o. J.
In: Annemarie Reiter (HG.), Grazer Sagen und Geschichten, Graz 1996, S. 150.