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Das versunkene Schloss beim Klinserlgraben

Bei Fürstenfeld führte entlang der Feistritz ein Spazierweg durch einen herrlichen Buchenwald. Durchwandert man diese schöne Gegend, so gelangt man zu einer Schlucht, wo einst eine Holztafel mit der Aufschrift „Klinserlgraben“ stand. In diesen Graben führte ein schmaler Steig, der auf der anderen Seite wieder anstieg.
In diesem Graben stand vor tausenden Jahren ein prächtiges Schloss. Die Bewohner waren reiche Leute, bekannt für Hartherzigkeit und Grausamkeit gegenüber der Bevölkerung. Auf dem Schloss wurde ein lasterhaftes Leben geführt. Eines Tages kam dann die gerechte Strafe über Schloss und Herrschaft, indem alles im Boden versank. Alle Jahre zum Palmsonntag, wenn die Glocken zur Palmweihe läuten, öffnet sich die Erde und gibt zum Schloss freien Zutritt. Jedoch nur Sonntagskinder haben Zutritt, und diese können sich von den darin liegenden Schätzen so viel nehmen, wie sie wollen. Aber nur so lange dürfen sie im Schloss verweilen, bis der letzte Glockenton verklungen ist, denn in diesem Moment schließen sich wieder die Erde und das Schlosstor. Jener aber, der diesen Moment übersieht, wird mit eingeschlossen und muss ein Jahr lang, bis zum nächsten Palmsonntag zum Glockengeläute, unter der Erde im Schloss bleiben.

Quelle: Hausmann, Franz (Hrsg.): Oststeirische Sagen und Schwänke, Verlag Julius Schönwetter, o.J.
Email-Zusendung Franz A. Rabl, Fürstenfeld, November 2008