SAGEN.at >> Traditionelle Sagen >> Österreich >> Steiermark

   
 

Die drei Schatzgräber am Schöckl

Schmid, der Hofmüller, Schwarz Hanns, der Holzknecht, und der dritte im Bunde, ein Grazerischer Herr, beschlossen den Schöcklschatz zu heben. Ein Jahr dauerten die Vorbereitungen der Schatzgräber, um das Gold bei der Weißen Wand zu holen.

Gescheit und wohlerfahren war einer wie der andere in der Geheimkunst, und was Schmid nicht wußte, erforschte der Schwarz Hanns, und was dieser nicht ergründete, ersann der Grazerische Herr.

Am Dreikönigstag sammelte man weißes Alexiholz, und am Palmsonntag brachte man eigens zu diesem Zweck Palmen zur Weihe. Dies sollte in einer Mischung von Johanniswein und Weihwasser gesotten, und dem ein Totenkopf beigegeben werden, wenn der Totenkopf in die Hitz kommt, bedenkt er nicht, was er redet und sagt aus, wo der Schatz im Schöckl ist.

Ganz vertraulich plaudernd und gemütlich aus ihren kleinen Gebirgspfeifchen schmauchend, gingen drei Freunde, Nicki, der Alte, Allahansl, der Schlaflose, und Kerschbaum, die Mißgestalt der Hinterschöckler, in einer mondhellen Nacht im Jahre 1857 auf dem Weg, der von Semriach herführt, dem in der Waldeinsamkeit liegenden Wirtshaus zum Schöckelnickl, ihrem heißersehnten Ziel, entgegen. Als sie in die Nähe der dem Allahansl gehörigen Köhlerhütte kamen, sah dieser, der wohl wußte, daß jetzt kein Kohlwerk im Brand sei, daraus Rauch aufsteigen. Es waren dort eben die Schatzgräber mit ihrem sauberen Sud beschäftigt. In diesem Augenblick bemerkte der Schmid die Bauern,- da verlor er die Schneid und rannte davon und seine lieben Kameraden ihm nach.

Hasenfüße waren diese drei nachtwandelnden Bauern eben nicht, sie gingen daher in die Hütte und sahen hier einen großen Häfen mit siedendem Wasser mitten in einem Gluthaufen stehen. Der Allahansl, der beherzteste von ihnen, rührte mit seinem Haslinger Stock um und fand den Totenkopf.

Er stürzte das Gefäß um und trug anderntags den Totenkopf in den Friedhof von St. Radegund.

Quelle: Anton Meixner, Sagensammlung.
In: Annemarie Reiter (HG.), Grazer Sagen und Geschichten, Graz 1996, S. 188.