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Der Pakt mit dem Teufel

In Graz ist im Hof eines Hauses in der Sackstraße, unweit des Palais Attems, ein tiefes Loch.

Der Sage nach verhält es sich so: Eine Gräfin hatte sich dem Teufel verschrieben, daß er ihr dafür die immerwährende Schönheit auf dieser Welt gäbe.

Dies geschah. Aber als es ans Sterben ging, wollte die Gräfin nichts wissen, und der Teufel wollte die Gräfin nicht auslassen.

Eines Tages veranstaltete die Gräfin einen großen Ball, an dem sie ebenfalls teilnahm.

Es hatte soeben die Mitternachtsstunde geschlagen, da fuhr ein dunkel verhängter Wagen im Hof ein, und darin saß der Teufel in Kavalierskleidung. Er ließ die Gräfin zu sich hinausbitten.

Als sie kam, erkannte sie sogleich den Teufel. Aber dieser zog die Widerstrebende schnell zu sich in den Wagen.

Im nächsten Augenblick versank das Gefährt mitsamt den Pferden und seinen Insassen in den Boden.

Nur das Loch blieb im Pflaster zurück, und lange danach versuchte man immer wieder, die Grube zuzuschütten, jedoch vergebens.

Weiters wird erzählt, daß dieses unheimliche Loch einst ein Brunnen gewesen sein soll, der von kriegsgefangenen Franzosen gegraben wurde. Heute befindet sich dort ein Kanal, der in die Mur führt.

Quelle: Volksmund o. J.
In: Annemarie Reiter (HG.), Grazer Sagen und Geschichten, Graz 1996, S. 146.