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Das wandernde Marienbild

Die Kirche von Altenmarkt bei Fürstenfeld sollte der Sage nach ein gutes Stück landeinwärts, beim so genannten Allacker, gebaut werden. Hiezu waren schon mancherlei Vorbereitungen getroffen, und damit das Werk gesegnet sei, hatte ein frommer Mann auch ein Marienbild mitgenommen, das er am Bauplatz an einer geschützten Stelle anbrachte. Doch über Nacht war das Bild verschwunden, und man fand es endlich weiter ostwärts hängend an einem Holunderstrauch.

Die Bauleute hielten diesen Vorfall nur für einen dummen Streich irgendeines Spaßvogels und der Eigentümer brachte das Bild wieder auf den Bauplatz zurück. Aber am nächsten Morgen hing das Bild abermals am Holunderstrauch.

Das machte die Leute doch ein wenig stutzig; das Marienbild kam wieder an seine frühere Stelle. Nun aber beschloss man, in der folgenden Nacht eine Wache aufzustellen, um dieser sonderbaren Sache auf den Grund zu kommen. Der Besitzer des Bildes machte sich erbötig, auf dem Bauplatz zu übernachten und nahm vorsichtshalber auch noch einen Hund mit.

Die Nacht verging ohne die geringste Störung; kein Mensch war in die Nähe des Bauplatzes gekommen, aber das Marienbild war dennoch verschwunden und wurde wiederum am Holunderstrauch hängend gefunden. Da sah man, dass es der Wille der göttlichen Vorsehung war, die Kirche nicht auf dem ausersehenen Bauplatz, sondern beim Holunderstrauch zu erbauen. Und so geschah es auch.

Quelle: Hausmann, Franz (Hrsg.): Oststeirische Sagen und Schwänke, Verlag Julius Schönwetter, o.J.
Email-Zusendung Franz A. Rabl, Fürstenfeld, November 2008