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Das Kreuz und die Wetterhexe

Bei einem hereinbrechenden Gewitter, so erzählte mir ein alter Bauer, „ging ich mit dem heute bereits verstorbenen Pfarrer auf jene kleine Anhöhe, wo ein Kreuz steht, um die Wetterhexe zu sehen.

Der geistliche Herr zog, dort angekommen, ein geweihtes Kreuz aus einem Schächtelchen und befahl mir, auf seinen Fuß zu treten und in die Richtung zu sehen, wohin er das Kreuz hielt. Ich tat es und sah mit Entsetzen die Hexe fern in den dunklen Wolken in heftiger Bewegung herumflattern. Da begann der Pfarrer zu beten und mit dem Kreuz die Umgebung zu segnen, und als er solches tat, verschwand sie immer mehr im herabströmenden Regen. Ich merkte mir diesen Tag und erfuhr später, daß ein furchtbarer Hagelschlag in jener Gegend, über der die Hexe ihr Unwesen getrieben hatte, alle Saaten vernichtet hatte."

Quelle: Anton Meixner, Sagensammlung.
In: Annemarie Reiter (HG.), Grazer Sagen und Geschichten, Graz 1996, S. 162.