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Die Eidechse mit der Krone

Eine ähnliche Sage wie die vorherige knüpft sich an die ehemalige „Oadechskeusche", an deren Stelle jetzt das Taxsche Jägerhaus auf dem Weg zwischen Kalkleiten-Möstl und Rossegg steht.

Die Besitzerin dieses Hauses bemerkte oft, wenn sie in ihren Keller ging, daß ihr die Milch, die sie in einem großen Topf aufbewahrte, stets etwas weniger wurde. Der Frau kam die Sache nicht richtig vor, denn nur sie hatte den Schlüssel zur Kellertür, und es konnte kein anderer ohne sie in den Keller gelangen. Die Bäuerin begann nun den Keller scharf im Auge zu behalten und auch zur außergewöhnlichen Stunde öfter darin Nachschau zu halten, und wirklich, eines Tages erblickte sie eine große, weiße Eidechse mit einer Krone auf dem Kopf. Das seltsame Tier schlürfte die Milch aus dem Topf, und als es die Frau bemerkte, blies es sie zornig an.

Ganz entsetzt eilte die Frau die Kellerstiege wieder hinauf und erzählte ihrem Mann, was sie gesehen hatte.

Der Bauer nahm einen Prügel, ging mit seiner Frau in den Keller und erschlug die Eidechse.

Wie sie nun das tote Tier näher besichtigten, war keine Krone mehr auf seinem Kopf.

Seither ging der Wohlstand im Hause immer mehr zurück, und die Besitzer verarmten.

Quelle: Hans von der Sann, Andritz und Umgebung.
In: Annemarie Reiter (HG.), Grazer Sagen und Geschichten, Graz 1996, S. 176.