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Der Diebsbanner wird von den Teufeln geängstigt

Ungefähr zehn Gehminuten vom Schöcklkreuz entfernt, steht links vom Weg eine Keusche, klein, niedrig und abgelegen, sie ist die Behausung der „AIt-Schöckltonin".

Hätte die Alte vor 200 Jahren gelebt, hätte man sie sicher für eine Hexe gehalten. Die Erscheinung des Weibleins war durch ihre Kleidung auffallend und hatte etwas Abenteuerliches an sich. Als ich sie besuchte, erzählte sie mir folgende Geschichte, wobei sie jedoch energisch bekräftigte, daß sie keinem Aberglauben verfallen sei:

„Als ich noch ein junges Mädel war, es mag so an die sechzig Jahre her sein, hielt sich in der Keusche ein hochstudierter Herr auf. Er konnte Wetter machen, Teufel rufen und Diebe bannen.

Einst kam ein Bauer zu ihm, dem Geld gestohlen worden war,- er gab jedoch mehr an, als die Summe in Wirklickeit war.

Der Beschwörer nahm sein Kolomanibüchel und sprach daraus eine feierliche Beschwörungsformel.

Der Böse, der in Wirklichkeit viel anders aussieht, als er beschrieben und gemalt wird, erschien und brachte das Geld. Der Mann war jedoch nicht zufrieden und beschuldigte den Schwarzen, daß er ihm etwas vorenthalte. Da ließ der Satan einen gellenden Pfiff ertönen, und in diesem Augenblick erschien eine solche Menge Teufel, daß sie die Sonne verfinsterten. Ein Teil flog in die Stube herein, ein Teil umkreiste unter schrecklichem Gebrüll und Gezische den Schöcklberg.

In dieser Bedrängnis suchte der Beschwörer mit geballter Faust, stark gekrümmtem Zeigefinger und eingezogenem Daumen gegen die Eindringlinge stoßend, wie man es sonst tun muß, sich zu verteidigen, jedoch vergebens. Er verlangte eine geweihte Kerze, aber sie wollte nicht brennen, er begehrte Weihwasser, aber es war keines zu finden, obwohl sicherlich welches im Haus war. Endlich rief er in letzter Not um einen Geistlichen.

Der alte Pfarrer trat in die Stube mit den Worten:

,Wo ist der Verrückte?', denn er sah keinen einzigen Teufel. Da bat ihn der Beschwörer, er möge mit seinen Stiefeln auf die Spitzen seiner Schuhe treten,- und als dies der geistliche Herr tat, sah auch er den Bösen.

Es gelang dem Pfarrer, alle Teufel bis auf einen zu vertreiben, diesen konnte nur der Pfarrer von Maria Trost verbannen.“

Quelle: Eustachius Kurz, Schöcklsagen.
In: Annemarie Reiter (HG.), Grazer Sagen und Geschichten, Graz 1996, S. 144.