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Der betörende Atem des Steirischen Panthers

Am Westportal des Grazer Domes wurde um 1456 das Steirische Landeswappen angebracht. Bereits aus dem Jahr 1260 ist eine Landeswappenbeschreibung erhalten, in der es heißt, dass es grün war und darin ein Panther schwebte, als ob er lebe. Dieses Landeszeichen führte der Herr von Wildon, Marschall der Steiermark, als das steirische Aufgebot die Ungarnherrschaft des Königs Bela IV. in der Schlacht bei Kroissenbrunn abschüttelte. Schon 1160 nahm Markgraf Otakar III., dessen Stammburg in Steyr an der Enns lag, den Panther als Sippen- und Feldzeichen.

Der Steirische Panther ist ein Fabeltier mit Pferdekopf, einer Löwenmähne, einem Löwenschwanz, dicht bezottelten Hinterläufen, kurzen roten Stierhörnern und roten Klauen. Er speit Feuer aus seinem Maul und vor langer Zeit schlugen noch Flammen aus allen Körperöffnungen, genauso wie dies heute noch beim Wappentier von Graz der Fall ist. Von diesem Panther erzählen sich die Grazer, dass er ein friedfertiges Tier sei und sehr viel und sehr gerne fresse. Ist er satt gefressen, zieht er sich in seine tiefe Höhle zurück, wo er drei Tage lang durchschläft. Beim Erwachen lässt er ein mächtiges Gebrüll erschallen, das einst über ganz Graz zu hören war. Dabei entströmt seinem Rachen ein Duft von betörender Süße, der alle Tiere der Umgebung anlockt. Diese werden somit zu einer leichten Beute des Panthers. Dieser Duft ist so gewaltig, dass er alle Wohlgerüche der Welt übertrifft. Der einzige Feind des Panthers, der Drache, der in einer Schöckelhöhle lebt, flieht vor diesem süßen Atem in die tiefste Stelle seiner Höhle und fällt dort in eine todesähnliche Erstarrung.

Quelle: Johann Schleich (Hg.), Der steirische Sagenschatz, Graz 1999, S. 376