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248. Der Totenkopf.

Ein Bauer ans der Jassingau, der zugleich das Wirtsgeschäft betrieb, wettete einst mit einem andern Bauern, daß er den Teufel kaufen könne. Als er nun einmal nach Landl kam, traf er einen ihm unbekannten Viehhändler, von dem er ein Paar Ochsen kaufte. Nachdem der Kauf abgeschlossen, gab der fremde Viehhändler, der ein gar seltsames Aussehen und eine schnoffelige Stimme hatte, dem Bauer ein kleines Schachterl, das dieser jedoch nicht früher öffnen sollte, als bis sein erstgebornes Kind gestorben sei. Wenn er dies befolge, werde er die Wette gewinnen.

Zu Hause angekommen, konnte der Bauer seiner Neugierde nicht mehr widerstehen; er wollte und mußte durchaus wissen, was denn im Schachterl enthalten sei, ob der Teufel darinnen stecke und wie dieser aussähe. Er machte also den Deckel auf und sah zu seinem Erstaunen nichts darinnen, als etwas Staub, der aber alsogleich ausflog, als wenn der Wind ihn weggeblasen hätte. Als dann der Bauer mit seinem Hausgesinde zum Abendessen sich an den Tisch setzte, fühlte er mit den Füßen am Boden einen rundlichen harten Gegenstand. Er leuchtete mit der brennenden Kerze unter den Tisch und erschrak gewaltig, als er da einen braunen Totenkopf liegen sah. Kein Mensch wußte, wie dieser Totenkopf ins Haus und unter den Tisch gekommen war.

Mau versuchte es oft, den rätselhaften Kopf wegzutun, aber immer wieder lag er unter dem Tische; selbst ein Eingraben desselben in geweihter Erde war vergebens. Da ließ nun der Bauer um den Tisch einen Verschlag aus Holz anbringen, damit mau den Totenkopf nicht sehen könnte, denn sonst wäre kein Dienstbote im Hause geblieben.

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Quelle: Johann Krainz, Mythen und Sagen aus dem steirischen Hochlande, Bruck an der Mur 1880.
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