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240. Die Teufelsmühle

In der Gegend Hinter-Erzberg bei Eisenerz stand vor Zeiten eine Mühle, in welcher der Teufel selbst das Müllergeschäft betrieben hatte, daher sie auch die Tenfelsmühle genannt wurde.

Diese Mühle wurde nämlich von einem Vater, welcher zwei Söhne, hatte, seinem Erstgebornen hinterlassen, während der Jüngere leer ausging. Dieser aber hatte sich das väterliche Erbgut desto eher verhofft, als sein älterer Bruder blödsinnig war, und im Zorne darüber erschlug er denselben, als er ihn einst im Walde allein antraf, mit einer Hacke. Sodann nahm der Brudermörder Besitz von der Mühle, in der es aber von Stunde an nicht mehr geheuer war, Die Mühle feierte niemals, ging Tag und Nacht und stand selbst an den hohen Festtagen nicht stille. Seltsamer Weise wußte Niemand, wo das viele gemahlene Mehl hinkam.

Eines Tages sahen die Leute bei der Mühle einen Mann in mehlbestäubter Müllnerkleidung stehen. Dieser war größer als das Haus selbst, auch hatte er einen Hut auf, der jedoch nicht auf dem Kopfe selbst saß, sondern, wie man gesehen haben will, nur zwei Hörndl *) verdecken sollte, was aber schlechterdings doch nicht ganz gelang. Es war dies der Teufel, der in der Mühle mahlte.

Da erfaßte den unrechtmäßigen Besitzer das Grausen und er klagte sich selbst beim Gerichte des Brudermordes an. Als er dann seine Schuld gesühnt, verschwand auch die seltsame Gestalt, die Mühle aber erhielt den Namen die „Teufelsmühle“ und geriet allmählich in Zerfall.

Nach Ignaz Rauscher.

*) Hörndl - Hörner, bekanntlich das Attribut des Teufels.

Quelle: Johann Krainz, Mythen und Sagen aus dem steirischen Hochlande, Bruck an der Mur 1880.
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