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260. Das rote Männchen.

Bei Oberwelz, in nächster Nähe, heißt eine kleine Schlucht sonderbarer Weise der „Peckingenskragen,“ Davor ist ein kleines freies Plätzchen, welches von der lieben Jugend des Städtchens oft benützt wird, um daselbst zu spielen.

Hier beim Peckingenskragen soll nun zeitweilig ein kleinwinziges, ganz rotes Männchen erscheinen. Sobald dieses von den Kindern bemerkt wird, laufen sie alle schnell davon und getraut sich Keines, das Männchen anzuschauen, da Jeder, der dasselbe ansieht, bald darauf sterben muß.

Einstmals spielten beim Peckingenskragen mehrere Kinder. Auf einmal schrie ein siebenjähriges Mädchen, die Tochter eines Wagners, im größten Schrecken: „Das rote Mandl, das rote Mandl!“ Allsogleich rannten auch schon alle Kinder eiligst über die Wiese nach Hause. Das Mädchen, welches das Kleinste war, blieb am weitesten zurück und als es endlich das Vaterhaus erreichte, war es so erschrocken und erschöpft, daß die Eltern es sogleich zu Bette legten und um den Arzt schickten. Doch dieser konnte nichts helfen. Das arme Kind mußte sterben, denn es hatte ja das rote Männchen angesehen.

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Quelle: Johann Krainz, Mythen und Sagen aus dem steirischen Hochlande, Bruck an der Mur 1880.
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