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243. Die Dreikönigssänger.

Eine alte Sitte ist es, daß von Weihnachten bis zum 6. Jänner sogenannte Dreikönigssänger in den einzelnen Ortschaften herumziehen, welche in ihrer Maskarade die drei Weisen ans dem Morgenlande darstellen und mit einem großen leuchtenden Stern versehen, Weihnachts- und Dreikönigslieder absingen und dafür milde Gaben einheimsen.

Einst begegneten sich in der Nähe von Oberwelz, kurz nach dem Ave Maria Läuten, bei einer alten Talkendörre *) zwei Züge solcher Dreikönigssänger. Als sie zusammentrafen, fand sich plötzlich noch ein dritter Zug ein, von dem Niemand wußte, woher er gekommen. Da kamen die Sänger, wie vom bösen Geiste besessen, in Streit; aus dem Wortgefechte entstand eine Rauferei, wobei Einer den Andern weidlich durchprügelte. Nachdem all ihr Gewand zerfetzt war und die Sterne zertrümmert auf dem Boden lagen, hörte mau endlich auf vom Raufen. Mit einem Male war auch der dritte Zug verschwunden, u. z. ebenso schnell als er gekommen.

Seitdem hüten sich die Dreikönigssänger in Oberwelz, bei alten Talkendörren und an verrufenen Stellen, wie bei Kreuzen u.s.w., mit einem andern Sänger-Trupp zusammenzukommen; denn sobald zwei solche Züge aufeinandertreffen, kommt gleich ein dritter Zug, bestehend aus lauter Teufeln, und es wird und muß dann gerauft werden bis Blut fließt.

*) Talkendörre: Benennung für die ehemals bestandenen Hafer-Dörröfen, aus denen die sogenannten Talken, eine in früherer Zeit sehr beliebte, der gerollten Gerste ähnliche Speise, gedörrt wurden. Diese Talken bereitete man aus Hafer, der erst gesotten und dann in eigens dazu errichteten und gewöhnlich gemeinschaftlich von den Bewohnern einer Gegend benutzten Dörröfen aufgetrocknet wurden. Naher der Name „Talkendörre“. Diese Talken wurden schließlich auf verschiedenartige Weise zugerichtet und genossen.

Quelle: Johann Krainz, Mythen und Sagen aus dem steirischen Hochlande, Bruck an der Mur 1880.
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