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265. Der grüne Mann.

Auf der Pacheralpe in der Gemeinde Lorenzen bei Rottenmann liegt der sogenannte Grünsee, auch der grüne See genannt. Am Uferrande desselben sollen vor langer Zeit die Leute, welche dort in der Nähe das Vieh weiden, zuweilen im Abenddunkel einen großen, grünen Mann mit grünem Hute und einen Mosbart im Gesichte auf einem Felsblock sitzen gesehen haben.

Eine Schwaigerin, eine sehr schöne, aber auch höchst leichtfertige und liederliche Weibsperson, ging einmal auf den grünen Mann, welchen sie für einen Jäger hielt zu und lud ihn ein, bei ihr in der Hütte zu übernachten. Da stand der grüne Manu auf und ging mit der Schwaigerin. Als sie in der Hütte angekommen waren, fühlte das Mädchen, daß der Mann eiskalt war, und es schüttelte sie vor Frost und Kälte, obwohl es heiße Sommerszeit war. Da sagte der Mann: Du hast mich gerufen, wisse, ich bin der Wassermann! Du wolltest, ich sollte Dein sein, nun bist Du mein!“ Sprachs und faßte das leichtfertige Weibsbild mit seinen naßkalten Händen an und trug dasselbe aus der Hütte zum grünen See und verschwand im selben.

Seitdem hat man den grünen Mann nicht mehr gesehen.

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Quelle: Johann Krainz, Mythen und Sagen aus dem steirischen Hochlande, Bruck an der Mur 1880.
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