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256. Alberer und Schwaigerin.

Eine Schwaigerin hatte bei ihrer Abfahrt Einiges in der Almhütte vergessen. Da nun diese Gegenstände gerade in der Wirtschaft benötigt wurden, so mußte sie sich bequemen, selbe auf die Alm hinauf holen zu gehen. Mit Angst und Zagen trat sie ihren Weg an, denn Sturm und Schnee hatten das Besteigen des Berges um ein Bedeutendes erschwert, auch war es gerade vor Martini.

Als sie die Hütte erreicht hatte, begann es bereits zu dunkeln; zugleich brach ein heftiges Unwetter los; die Schwaigerin hielt es für ratsam, lieber in der Hütte über Nacht zu bleiben, als bei solchem Wetter zurückzukehren. Sie machte auf dem Herde ein Feuer an, um sich und zugleich auch das Innere der Hütte zu erwärmen, sodann holte sie vom nächst liegenden „Stadl“ einige Streu und machte sich ein Lager zurecht. Bald darauf schlummerte sie auf diesem, vom beschwerlichen Gange ermattet, ein.

Gegen Mitternacht wurde sie durch einen Gesang erweckt, welcher vor dem Fenster der Hütte ertönte. Es war eines jener „Schnaderhüpfeln“, wie sie der „Jagabua“ anstimmt, wenn er zu seiner Herzallerliebsten „fensterln“ geht und von ihr Einlaß begehrt. Der Sänger aber war diesmal kein ,,fescher Bub“, sondern der gefürchtete Alberer selbst, welcher um diese Zeit fuhr und vermutlich, weil sich ihm gerade eine schöne Gelegenheit bot, der Schwaigerin seine Huldigungen bringen wollte. Dieser aber wurde es angst und bange, und als der Alberer keine Antwort erhielt, polterte er mit großem Geräusche zur Türe in die Hütte hinein, und schürte auf dem Herde, auf welchem die Flammen schon erloschen waren, ein großmächtiges Feuer an. Der Schwaigerin wurde es unheimlich zu Mute und sie getraute sich gar nicht aufzublicken, doch hörte sie deutlich, wie der Alberer in der Milchkammer zu käsen und Butter zu schlagen begann, gerade wie es die Sennen im Sommer zu tun pflegen. Hierauf bereitete er am Herde einen „Schmalzkoch“, und als dieser fertig war, hieß er die Schwaigerin aufzustehen und zu essen. Trotz ihrer Angst und Furcht ließ diese sich dazu nicht zweimal heißen, denn sie wußte aus den Erzählungen alter erfahrener Leute, daß man den Alberer durch Unfolgsamkeit auf das Höchste erbittere und er dann immer sich furchtbar räche; sie stand also rasch auf und ging beherzt zum Tisch, ohne jedoch einen Blick auf den seltsamen Küchenmeister zu werfen. Aber, o weh! Der Schmalzkoch war ganz schwarz und als wie verbrannt. Doch die Schwaigerin überwand den Abscheu davor und schlug nach altem Brauch ein Krenz über die Speise und siehe da, es befand sich der appetitlichste Koch in der Pfanne. Nach dem Essen legte sie sich wieder zur Ruhe, der Alberer aber verschwand wie er gekommen.

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Quelle: Johann Krainz, Mythen und Sagen aus dem steirischen Hochlande, Bruck an der Mur 1880.
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