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255. Alberer und Jäger.

Vor vielen Jahren schritt am Martini-Abende ein Jäger rüstig die Bergeshöh hinan, nicht achtend des heulenden Sturmes und heftigen Schneegestöbers. Er war früher Soldat gewesen und hatte als solcher sowohl furchtlos in den dunklen Nächten als Posten auf Friedhöfen, als auch mutig in dichtem Kugelregen und blutigem Schlachtengewühle dem Feinde gegenüber gestanden; er kannte keine Furcht vor Gefahren, noch weniger aber vor Gespenstern. Zurückgekehrt in seine Heimat, bespöttelte er den Aberglauben seiner ehemaligen Jugendgespielen und prahlte sich nicht selten, er fürchte kein Gespenst, selbst den Teufel nicht und getraue sich, mit diesem anzubinden. Um nun den übrigen Burschen einen Beweis seines Mutes zu geben, beschloß er, die Martininacht in einer Schwaighütte zuzubringen und den Alberer in seinem Treiben zu belauschen.

Immer dunkler wurde es um den Jäger her, je höher dieser den Berg hinanschritt. Ungefähr eine Stunde vor Mitternacht erreichte er eine Alpenhütte, in welcher nach dem Glauben der Dorfbewohner der Alberer sein Wesen trieb.

Nachdem der Jäger sich in der Hütte umgesehen, kramte er seine Tasche aus, legte ein Stück Käse samt Brot auf den Tisch, stellte dazu seine große vollgefüllte Schnapsflasche, und schürte am Herde ein Feuer an, das bald in hellen Flammen emporloderte und eine wohltuende Wärme verbreitete. Sodann setzte er sich zum Tisch, verzehrte einen Teil seines Käses und Brotes und tat dazu zeitweilig aus der Branntweinflasche einen herzhaften Zug, um sein frugales Mal zu würzen; nächst dem Tische in der Ecke lehnte sein getreuer Stutzen, scharf geladen, und so erwartete er wohlgemut das Gespenst. Draußen aber um die Hütte heulte der Sturmwind fürchterlich und losgerissene Steine rollten mit starkem Gepolter den Abhang hinab. Plötzlich riß ein Windstoß die Hüttentür aus und löschte die Flamme auf dem Herde aus; dichte Finsternis umgab den Jäger. Ein Polterwerk entstand in der Hütte, als würden die einzelnen Gerätschaften umgeworfen werden. Da wich von dem Jäger die Herzhaftigkeit; eiskalt rieselte es ihm über den Rücken, eine Bangigkeit überfiel ihn, und bald war er seiner Sinne nicht mehr mächtig. Als er wieder aufwachte, sah er sich außer der Hütte auf dem frisch gefallenen Schnee liegen. Das Tosen des Sturmes war verstummt und der Himmel glänzte in seinem heiteren Blau. Er versuchte sich aufzuraffen, was ihm aber nur mit Mühe gelang, denn er fühlte seine Glieder ganz zerschlagen. Als er wieder das Innere der Hütte betrat, fand er die Branntweinflasche geleert auf dem Tische stehen und die Gerätschaften unter einander geworfen.

Bedenklich sein Haupt schüttelnd, betrachtete er die Verwüstung, welche der Alberer angerichtet. Hastig griff er dann nach dem Stutzen, den von seinem Platz zu stellen der Geist nicht gewagt, und mit Riesenschritten gings den Abhang hinunter dem Tale zu. Im Dorfe angelangt, erzählte er den Bewohnern, welche atemlos seinen Worten lauschten und ängstlich ein Kreuz um das andere schlugen, sein Erlebnis in der Hütte und erklärte, von nun an die Existenz dieses Berggeistes, der sich an ihm wegen seines Unglaubens so furchtbar gerächt, nicht mehr bezweifeln zu wollen.

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Quelle: Johann Krainz, Mythen und Sagen aus dem steirischen Hochlande, Bruck an der Mur 1880.
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