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8.2 Der Teufel und die liederliche Dirn im Pass Stein

Einmal sind zwei Mädchen vom „Brenntn“, das ist bei St. Martin am Grimming, durch den Pass Stein hinein nach Mitterndorf zu einem Tanz gegangen, und erst lang nach Mitternacht sind sie wieder heimgegangen.

Eine der beiden war sehr leichtsinnig und gottlos, hat allerhand Schlechtes geredet und freche Lieder gesungen. Einmal blieb sie stehen, machte einen Luftsprung und einen Jauchzer dazu und rief: „Heut‘ is‘ so lustig auf der Welt, dass i nit in‘ Himmel hinein stiege, und wenn er nur kniehoch wär!“

Kaum hatte die leichtfertige Dirn das gesagt, da kam schon der Teufel daher, packte sie beim Genick, und schleifte sie in die Tiefe. Jetzt begann sie zu Winseln und zu Weinen, aber alles war umsonst, der Teufel hat sie nicht mehr ausgelassen. Das andere Mädchen hat sie noch lange schreien gehört, und völlig verstört ist sie schließlich zu Hause angekommen. Von der schlechten Dirn aber hat man nichts mehr gefunden als das arg zerfetzte Gewand, und das ist dort gelegen, wo heute noch das Kreuz steht. Noch heute soll man die Spuren sehen, wo der Teufel gegangen ist, und die Rinne, durch die er die Sennerin heruntergezogen hat. Gegenüber der früheren Bethütte, am gegenüberliegenden Ufer des Salzabaches soll das gewesen sein, beim alten Bildstock, wo heute die Staumauer steht.

Quelle: Sagenhaftes Hinterbergertal, Sagen und Legenden aus Bad Mitterndorf, Pichl-Kainisch und Tauplitz vom Ende der Eiszeit bis zum Eisenbahnbau, Matthias Neitsch. Erarbeitet im Rahmen des Leader+ Projektes „KultiNat“ 2005 – 2007.
© Matthias Neitsch