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5.22 „Sulz“ beim Kampl

Ein Bauer im Hinterbergtal trieb seine Jungrinder im Sommer in ein hoch gelegenes Weidegebiet beim Kampl. Im Laufe der Woche mußte er dort oben mehrmals die Rinder suchen und fand sie oft in einem ungünstigen Randgebiet bei einer kleinen Lacke. Das war für den Bauern eine ungewöhnliche Angelegenheit, denn an der anderen Seite der großen Weide stand ein Holztrog, wo auch nach einer längeren Schönwetterperiode noch genug klares Quellwasser vorhanden war. Als er seine Rinder wieder einmal suchte und bei der kleinen Wasserstelle fand, konnte er bei einer Fingerleckprobe den Salzgehalt feststellen. Nun wußte der Bauer, daß seine Rinder dort oben mit guten Gräsern, mit reinem Quellwasser und mit der notwendigen „Sulz“ versorgt waren. Er mußte aber diese Lacke mit dem salzhältigen Wasser umzäunen, damit die Rinder und Schafe nicht immer lecken konnten. Nur zeitweise war der Zaun offen, und die Salzversorgung der Tiere war geregelt.

 

Kleinere Salzvorkommen gab es an mehreren Stellen des Hinterbergertales, so auch in einer Höhle im Schedlkogel östlich von Obersdorf. Früher gewannen die Bauern der Umgebung dort Steinsalz als Lecksteine für Vieh und Wild. Später ließ die Saline solche Vorkommen zerstören oder zumauern, um ihr Salzmonopol zu schützen (aus Erzählungen eines Obersdorfer Bauern).

Quelle: Sagenhaftes Hinterbergertal, Sagen und Legenden aus Bad Mitterndorf, Pichl-Kainisch und Tauplitz vom Ende der Eiszeit bis zum Eisenbahnbau, Matthias Neitsch. Erarbeitet im Rahmen des Leader+ Projektes „KultiNat“ 2005 – 2007.
© Matthias Neitsch