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4.8 Der Steirersee Teufel

Auf der Steirersee-Alm war einmal eine bildschöne Brentlerin, bei der aber die Burschen nacheinander abblitzten, weil sie sehr wählerisch war. Eines Tages freundete sie sich mit einem fremden Burschen an, der ihr ausserordentlich gut  gefallen hat. Schon bald danach vertraute die Brentlerin der Nachbarin an, dass ihr Freund einen eigenartigen Eindruck auf sie mache und es ihr vorkomme, wie wenn er gar kein Mensch wäre. Ausserdem würde es rundherum spuken. Daraufhin riet die Nachbarin der hübschen Brentlerin, sie sollte nächstesmal, wenn er wieder bei ihr sei, mit der Hand über seinen Rücken streichen und dabei fühlen, ob er ein Rückgrat habe. Sollte der Rücken hohl sein und sie kein Rückgrat spüren, dann sei dieser Mann in Wirklichkeit der Teufel. Als der Bursche nun wieder zu ihr kam und er sie in seine Arme nahm, griff sie mit einer Hand nach seinem Rücken und musste entsetzt feststellen, dass er tatsächlich kein Rückgrat hatte. Dies erzählte sie dann der Nachbarin. Die gab der Brentlerin den Rat, sie sollte sich in ihre Zöpfe drei Dinge hineinflechten, nämlich Wiederhop und Edeltraut und ein drittes Kraut, dessen Name nicht mehr überliefert ist. Diese Kräuter hat sie sich dann wirklich eingeflochten; den Raum hatte sie mit Weihwasser besprengt. Als der Bursch dann wieder kam, sprang er entsetzt durch die Türe wieder hinaus und davon, wobei er schrie: „Wiederhop, (....) und Edeltraut haben mir geraubt mein Braut!“

Sodann sprang der Teufel vom Steirersee hinunter in das Tiefental. Und von da an begann ein Bründl zu rinnen, das noch heute Wasser spendet. Das Bründl nannte man das Toiflbach-Bründl (später Toifenbach und schließlich Tiefenbach). Der Teufel sprang dann hinaus ins Ennstal, wobei er den Felsen auseinandersprengte, sodaß Grimming und Gindl-Hörndl getrennt wurden.

Quelle: Sagenhaftes Hinterbergertal, Sagen und Legenden aus Bad Mitterndorf, Pichl-Kainisch und Tauplitz vom Ende der Eiszeit bis zum Eisenbahnbau, Matthias Neitsch. Erarbeitet im Rahmen des Leader+ Projektes „KultiNat“ 2005 – 2007.
© Matthias Neitsch