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11.6 Die Salzschwärzerbande

Der arme Handwerksbursch Kus war auf der Salzstraße mißmutig unterwegs zum Radlingpass. Ein kleiner unruhiger Mann mit stechenden Augen und dem Spitznamen Holzbock stand plötzlich am Waldrand und fragte den Burschen, ob er eine Arbeit suche. „Mich verdrießt schon das ganze Leben, es war eine schlechte Woche mit schwerer Arbeit und wenig Lohn“. Diese Antwort machte den Holzbock hellhörig. Er griff in seinen Geldbeutel und hielt dem Kus eine Hand voll blinkender Silbermünzen unter die Nase. Gleichzeitig sagte er leise dem Kus ins Ohr: „Wir brauchen kräftige Männer in der Nacht als Helfer beim hinteren Salzdörrhaus und der Lohn ist nicht gering“. Kus überlegte nicht lange und war mit Handschlag ein Mitglied der Salzschwärzerbande.

In der folgenden Nacht war die Bande bei einer Dörrkammer tätig, wo das Feuer schon vor einigen Tagen gelöscht war. Durch das „Hitzloch“*) krochen einige Männer in die Kammer und mit einer kleinen „Rumpl“*) zogen die anderen Helfer mit dem Seil die „Salzfüderl“*) heraus. Der Salztransport durch den Wald zur Kohlhütte war in der folgenden Stunde eine Schwerarbeit. Als der Pferdewagen dort ankam, wurde gemeinsam noch das Salz verladen. Plötzlich stürzten zahlreiche bewaffnete Männer mit Blendlaternen zum Wagen mit dem Ruf „Jetzt haben wir das ganze Diebsgesindel“. Mit gefesselten Händen trieben die Überreiter diese Männer ins Gefängnis.

Nur der Kus und der Holzbock konnten in die Berge flüchten, wo am Morgen dichter Nebel und Regen deren Flucht zu den Almhütten behinderte. Nach langen Irrwegen sagte der Kus „Jetzt Holzbock, hilf, wenn du kannst“. „Der Teufel soll dich holen“ rief der Holzbock mit höllischem Lachen und sprang davon. Kus sank auf seine Knie, nahm sein Messer aus der Tasche und schnitt in großen Zügen den heiligen Namen IHS in den weichen Rasen. Und wie er den letzten Schnitt gemacht und mit gefalteten Händen dort kniete, da teilte sich der Nebel und er fand endlich wieder den Weg ins Tal zur Salzstraße. Der heilige Namen ist aber heute noch, nach hundert Jahren, dort oben neu und frisch.

 

*) Anmerkungen: „Hitzloch“ = Öffnung zur Feuerstelle; „Rumpl“ = Gleitgerät aus Holz; „Salzfüderl“ = kegelstumpfförmiges, trockenes Formsalz.

Quelle: Sagenhaftes Hinterbergertal, Sagen und Legenden aus Bad Mitterndorf, Pichl-Kainisch und Tauplitz vom Ende der Eiszeit bis zum Eisenbahnbau, Matthias Neitsch. Erarbeitet im Rahmen des Leader+ Projektes „KultiNat“ 2005 – 2007.
© Matthias Neitsch